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gen. Nicht wenig ſtaunte ich, beim Ausſteigen aus dem Wagen, Frau von Richeville und den Fürſten von Hericourt unten im Vorhofe zu finden. Der von mir abgeſandte Eilbote war eine Viertelſtunde vor mir an⸗ zeh und hatte ſie von meiner Ankunft in Kenntniß geſetzt. 5
die Fürſtin von Hericourt, Frau von Sémur und Frau von Grandval. Man war gegen mich die Güte und Zuvorkommenheit ſelbſt.
Nur wer in ähnlichen Kreiſen heimiſch iſt, weiß, was es heißt, mit ebenſoviel Herzlichkeit als ſchonen⸗ der Zurückhaltung aufgenommen zuwerden. Alle kannten meine traurige Lage und ſchenkten mir eine lebhafte Theilnahme, aber voll zarter Schonung mieden ſie jedes Wort, das die ſchmerzlichen Empfindungen meiner Bruſt, die ſie in Vergeſſenheit zu bringen wünſchten, neu beleben konnte.
Das Weſen einer ſolchen Schonung läßt ſich blos fühlen, nicht begrifflich entwickeln. Dank der räthſel⸗ haften Natur der geſelligen Umgangsformen, über⸗ häuften ſie mich mit allerhand gewinnenden Aufmerk⸗ ſamkeiten, ſtatt mir ein unzeitiges Mitleid zu bezeigen.
So lange die Traditionen und die Lebensart unſrer alten Ariſtokratie ſich nicht verlieren, wird nie in Europa eine Geſellſchaft aufkommen, die ſich an jener Feinheit des Taktes, an jener Güte des Ge⸗ ſchmackes, die dem Geiſte der Franzoſen eigenthümlich ſind, mit unſerer guten Geſellſchaft vergleichen ließe.
So werde ich nie im Leben die Worte der ehr⸗ würdigen Fürſtin von Hericourt vergeſſen, als ich ihr denſelben Abend von Frau von Richeville vorgeſtellt wurde.
„Obgleich ich heute zum Erſtenmale das Vergnü⸗
gen habe, Sie zu ſehen, Madame,“ ſagte ſie mir, „kenne ich Sie ſchon. Geſtatten Sie mir drum die Freiheit, Ihnen zu verſichern, daß ich Sie liebe, ſeit
Ich traf dieſen Abend bei ihr den Fürſten und


