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an den Tag legte, zu gewinnen wußte. Mit der zärt⸗ lichſten, mütterlichſten Sorgfalt wachte ſie über den geringſten meiner Wünſche, war ſie bemüht, mir den kleinſten Kummer zu erſparen.
Wenn ich an die nichtswürdigen Verleumdungen dachte, deren Opfer ſie geweſen war, wurde ich nament⸗ lich durch die herzliche Vertrautheit zwiſchen ihr und zwiſchen Leuten überraſcht, die zur Elite der beſten Geſellſchaft in Paris gehörten, die ſogar, man ver⸗ zeihe mir den Ausdruck, für ſehr altmodiſch galten.
Dieſe Wendung der Meinung zu Gunſten der Frau von Richeville hätte mich nicht erſtaunen ſollen. Leute von ſtrengen Sitten ſind um ſo nachſichtiger gegen die früheren Verirrungen einer Perſon, die um ihre Gunſt ſich bewirbt, je untadelhafter das gegenwärtige Leben derſelben iſt.
Mit Recht ſtolz auf dieſe Art weltlicher Be⸗ lehrung, die ihr heilſamer Einfluß bewirkt hat, ver⸗ theidigen ſie ihren Neophyten mit all der edlen Wärme des Proſelytismus.
So hatte denn Frau von Richeville zu wahrhaft ergebenen Freunden alle die, welche früher ihr Unglück und ihre Fehler aufrichtig beklagt hatten.
Ihr Haus war äußerſt bequem und hübſch, aber nicht glänzend genug eingerichtet, um den Eifer, wo⸗ mit man den Zutritt in ihre Cirkel ſuchte, von der Dame des Hauſes, die mit vollendeter Anmuth die Wirthin machte, abzulenken.
Die Schilderung, die ſie mir von den Hauptper⸗ ſonen ihrer täglichen Geſellſchaft entworfen hatte, konnte nicht gelungener ſein. Der Zufall wollte es, daß ich gleich am erſten Abende meiner Ankunft in Paris dieſe Erfahrung machte.
In Etampes war mein Wagen gebrochen. So konnte ich erſt um zehn Uhr Abends in Paris bei Frau von Richeville eintreffen. Da ſie mich dieſen Tag
nicht mehr erwartete, hatte ſie, wie gewöhnlich, empfan⸗


