Teil eines Werkes 
10. bis 12. Bändchen (1845)
Entstehung
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Herr Secherin ſchwieg, ging mit ungleichen Schrit⸗ ten neben mir her, blieb dann plötzlich vor mir ſtehen, kreuzte die Arme, und brach mit wuthfunkelnden Augen in die Worte aus:Noch lebt Ihr Gemahl... Nicht wahr, Sie halten mich für feige?... Aber Geduld. .. Geduld, fuhr er in finſterer Faſſung fort;meine arme alte Mutter muß bald ſterben. ..

Und er ging ſchweigend weiter.

Dieſe Worte erklärten mir das Benehmen des Herrn Secherin. Trotz ſeiner Gutmüthigkeit, hatte er Beweiſe ſeines Muthes gegeben. Ohne Zweifel wollte er den Tod der Mutter abwarten, ehe er blutige Rache nehme. Obwohl ich Herrn von Lanecry nicht mehr liebte, ſchauderte ich beim Gedanken an dieſen Zweikampf...

Noch bei Lebzeiten Ihrer Mutter, entgegnete ich, wird Ihr Zorn ſich ſo weit ermäßigen... daß Sie Gott die Rache anheimſtellen.

Gott die Rache anheimſtellen! rief Herr Se⸗ cherin wild lächelnd aus..Wüßten Sie nur, fuhr er unheimlich flüſternd fort,daß es mir oft ſcheint, als lebte meine Mutter für meine Rache allzulang.

Entſetzlich! unterbrach ich ihn .. Sie, ein ſo frommer Sohn!

Frommer Sohn! wiederholte er mit ſteigender Wuth..Ich bin Nichts mehr. .. Nichts als ein un⸗ glücklicher Thor ... der die eine Hälfte ſeines Lebens eine Nichtswürdige bejammert und herbeiſehnt... Die andre ihr flucht und auf Rache finnt... Gott weiß, es gibt Augenblicke, wo ich meine Mutter verlaſſen könnte, obgleich ich weiß, daß dies ihr Tod wäre.

Wär's möglich?

Ja; wenn ich denke, daß Ihr Gatte vor mir ſterben kann, daß Urſula mich für einen Feigling hält: dann bin ich zu Allem fähig.

Verwirrt blickte ich Herrn Secherin an. Seine Furcht, in ihren Augen als feige zu erſcheinen, ſagte mir, wie heftig er ſie auch jetzt noch lieben müſſe.