Teil eines Werkes 
10. bis 12. Bändchen (1845)
Entstehung
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ſuchte, um mit ihm reden zu können, ſagte die Mut⸗ ter:Ohne Zweifel wollte er mit Ihnen ſprechen; jetzt wagt er's nicht mehr... Sehen Sie, dort geht er in der Allee

Mit Ihrer Erlaubniß will ich zu ihm. Sie wiſ⸗ ſen, er hat mir immer einiges Vertrauen geſchenkt. Vielleicht kann ich ihn ermuthigen, und ihm ſeine Trau⸗ rigkeit beſiegen helfen .. .

Madame Secherin reichte mir ihre Hand, den Kopf ſchüttelnd.

Immer edel und gut, ſagte ſie.

Immer an fremdem, aber ſelbſterlebtem Schmerze theilnehmend, erwiederte ich.

Ich traf Herrn Secherin in derſelben Allee, wo ich einſt Zeuge der erſten Geſtändniſſe des Herrn von Lancry an Urſula geweſen war.

Als ich mich meinem Vetter näherte, erſchrack ich noch mehr als zuvor über die Veränderung in ſeinen Zügen. Wie kömmt es doch, daß nur das Unglück und die Verzweiflung den alltäglichſten Geſichtern einen Stempel der Größe aufdrücken, während Glück und Zufriedenheit ſie nie veredeln?

Das einſt ſo blühende, ſanfte, ſtets lächelnde An⸗ tlitz des Herrn Secherin war blaß wie Marmor und entſetzlich abgemagert; die hohlen, tiefliegenden, ver⸗ weinten Augen glänzten in fieberhaftem Feuer, alle ſeine Züge verriethen einen wilden Schmerz, der ihm einen nie geahnten Ausdruck der Erhabenheit gab.

Als er mich ſahe, fuhr er zuſammen, hob die Au⸗ gen gen Himmel und rief mit halb erſtickter Stimme aus:Sie hat auch Ihnen viel Böſes angethan...

Viel Böſes .. ja, lieber Vetter... viel Böſes. aber ich habe Muth... Ich bin, wie Sie, verrathen und verlaſſen worden... Doch jetzt verachte und ver⸗ geſſe ich die Perſonen, die mich ſo tief beleidigt haben Ruhe iſt wieder in mein Herz eingekehrt und doch habe ich keine Mutter, die mich tröſtet...