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gegen mich, daß er ſie mir vorzog... Daß er aber nach ſolchen Vorgängen ſie noch ſo lieben kann, das... ich muß mit der Sprache heraus... das kränkt... das empört mich!...
Vielleicht irren Sie ſich, erwiederte ich... Man kann lange Zorn und Haß wider ſeinen Feind empfin⸗ den, ohne deßhalb noch unter ſeinem Einfluſſe zu ſtehen. Die edelſten Gemüther ſind ſtets die reizbarſten. Je gränzenloſer ihre Hingabe war, um ſo tiefer empört ſie Verrath...
„Gott ſei Dank, daß ich Sie da finde,“ rief Ma⸗ dame Secherin und trocknete ihre Thränen. „Ich habe ſonſt Keinen, vor dem ich mein Herz ausſchütten darf. Nur gebe der Himmel, daß ich mich nicht übereile und daß mein Sohn nie erfahre, wie tief er mich gekränkt hat. .. Doch ich fürchte, ich kann nicht mehr lange an mich halten. . .“
Hüten Sie ſich, rief ich aus, oder die Ruhe Ihres
Lebens und die Ihres Sohnes iſt auf immer dahin. „Ich muß endlich ermüden. .. nicht, mich für ihn zu opfern. .. nein! . . . Der kleine Reſt meines Lebens ſoll ihm nach wie vor gewidmet ſein. .. aber ihn län⸗ ger leiden ſehen, als wäre er allein und verlaſſen ... der Schmerz überwältigt mich, wenn ich ſehe, wie das Andenken an eine Elende die Mutter aus dem Herzen des Sohhles verdrängt... Iſt es nicht ſchrecklich,“ rief ſie lauter und tiefer bewegt aus, „wenn vor den Augen der alten Mutter der Sohn von langſamem Feuer verzehrt wird, ohne daß ſie ihn retten kann?. .. Dieſe erſchütternde Unterredung überzeugte mich, daß die Lage der Madame Secherin und ihres Soh⸗ nes noch furchtbarer war, als ich ſie mir gedacht hatte. Als ich aufblickte, ſah ich Herrn Secherin langſam an den Fenſtern des Saals vorübergehen. Er blieb eine Weile ſtehen, betrachtete mich und entfernte ſich dann. Erſt glaubte ich, er werde zu uns kommen; aber ich irrte mich. Während ich nach einem Vorwande


