Madame Secherin ſchüttelte traurig den Kopf. — „Die Sache iſt nicht dieſelbe,“ erwiderte ſie. „Ihr Gemahl war von Ihrem Range, ſtand auf der gleichen Höhe mit Ihnen und Ihrer Umgebung. Sie vermiſſen ihn daher weniger; während mein armes Kind nie eine Frau kennen lernte, die dem Anſcheine nach ſich mit dieſer Elenden vergleichen ließ.
Die Wahrheit dieſer Bemerkung erſchreckte mich.
Auf einen Augenblick ihre alte Entſchloſſenheit wieder gewinnend, rief ſie aus: „So hat die Ehrloſe doch Recht gehabt, als ſie mit ihrer hölliſchen Frechheit mir verſicherte, eine Frau, wie ſie, werde nicht vergeſ⸗ ſen, mein Sohn werde ihren Verluſt ewig bejammern, werde blutige Thränen um ſie weinen!. Mein Gott!
mein Gott!... Dein Wille iſt unerforſchlich... Es
gehört ein ſtarker Glaube dazu, um an Deiner Gerech⸗ tigkeit nicht zu verzweifeln.., und viel Liebe zu ſeinem Kinde, um in der Liebe nicht zu erkalten, wenn ſie gar Nichts mehr hilft.“
Ich bemühte mich, ihr die ſchmerzlichen Gedanken auszureden.
— „Glauben Sie das nicht. Ohne Sie, ohne Ihre mütterliche Sorgfalt, wäre Ihrem Sohne das Leben tauſendmal unerträglicher.“
„Unmöglich,“ erwiederte Madame Secherin ungläu⸗ big. er kann ihren Verluſt nicht tiefer empfinden, als
es der Fall iſt... Gewiß, wäre er nicht ſo namlos un⸗
glücklich, ich würde ihn einen böſen Sohn nennen, einen
undankbaren...“ „Madame Secherin!...“ fiel ich ein. — „Ich
würde ſagen, daß es nur aus Gründen der Menſchlich⸗
keit bei mir bleibt, und weil er im erſten Augenblick
ſeines Zornes bei den Manen ſeines Vaters geſchworen
hat, nie und nimmer der Verruchten zu verzeihen.. Ach! ich habe im Stillen viel gelitten... zwei lange Jahre habe viel erduldet... So lange er an dis Tugend dieſes Weibes glaubte, merkte ich an ſeinem Benehmen
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