Teil eines Werkes 
10. bis 12. Bändchen (1845)
Entstehung
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lich . darum wartete ich ... Mitunter nahm er eine weniger traurige Miene an, um mich zu tröſten ... Einmal wollte das arme Kind gar lächeln .. Ich zerfloß in Thränen . .. ſo ſchnitt mir ſein bitter⸗ſüßes Lächeln in's Herz . .. und ich gelobte, ihm nie wieder ſolchen Zwang anzuthun .. . Bei dem allwiſſenden Gotte ſchwöre ich Ihnen, nie habe ich ihm ſeinen Kummer vorgeworfen . . . aber er macht mich immer muthloſer und beträbter. . . Wie er, ſo ward auch ich gegen Alles gleichgültig . . . Ich ließ Alles im Hauſe gehen, wie es eben ging . . . das Gras wächſt überall im Garten und bald wird es über dem Grabe einer ar⸗ men alten Frau wachſen, die Nichts mehr auf Erden nützt, weil ſie nicht einmal ihren Sohn zu tröſten vermag ..

Ich erſchrack; denn dieſe Niedergeſchlagenheit war der gerade Gegenſatz von jener, faſt männlichen Feſtig⸗ keit des Charakters, die ich immer an Madame Seche⸗ rin wahrgenommen hatte. Dieſe geiſtige Ermattung deutete auf große körperliche Schwäche. Ich verſuchte, ihr Muth einzuſprechen, indem ich ihr mein Beiſpiel vorhielt.

Ohne Frage, ſagte ich zu ihr,müſſen Ihnen dieſe beiden Jahre furchtbar lang erſchienen ſein; aber bedenken Sie, daß jeder Schmerz von ſelbſt aufhört.. Je heftiger der Schmerz Ihres Sohnes iſt, um ſo nä⸗ her die Befreiung... Auch ich habe viel gelitten; ich habe nicht blos den Mann verloren, dem ich mein ganzes Leben gelobt hatte, auch mein Kind und damit das einzige Unterpfand des Glücks, das mir geblieben war.. Nach langem Sturme trat endlich Ruhe ein, zwar eine trübe Ruhe, aber doch iſt ſie faſt ein Glück, wenn ich ſie mit meinem früheren Zuſtande vergleiche. Drum Muth, liebe Mutter,.. Muth! vielleicht iſt das Ende Ihres Leidens nahe... Wir Beide, Ihr Sohn und ich, ſind das Opfer dieſes Weibes. Mein Haß ging in eiſige Verachtung über... So wird und muß es auch mit Ihrem Sohne ſein,.

Mathilde. w. 15