ſchaudern. Hatte Herr Secherin Urſula noch nicht vergeſſen, ſo mußte er ſich höchſt unglücklich fühlen.
Mein Herz ſchlug ſo ſtark, daß ich in der Thüre des Sals unbeweglich ſtehen blieb.
So betrachtete ich dann aufmerkſam das bleiche, abgemagerte Geſicht der Madame Secherin. Mein Gott! welch tiefe Furchen hatte der Kummer in ihre Züge eingegraben! Zweimal ſchien es, als gehe die gemeſſene Bewegung des Rades in eine ungleiche über, ähnlich wie der Pendel der Uhr, ehe er zu ſchlagen aufhört, immer langſamer wird. Leicht ſenkte ſie den Kopf auf die Bruſt; die rothgerändeten Augen blickten ſtarr und leer nieder; eine Thräne, wie Greiſe ſelten ſie weinen, netzte die geſchwollenen Wimpern; dann fuhr ſie plötzlich, wie aus ſchwerem Traume, empor, und offenbar um trüben Gedanken zu entfliehen, brachte ſie in fiebriſcher Hitze ihr Spinnrad wieder in Gang.
Noch immer ſah und hörte ſie mich nicht. Ich drehte den Schlüſſel der Thüre hin und her.
Auf dies Geräuſch hin blickte ſie auf, erkannte mich, ſtieß das Spinnrad mit dem Fuße weit von ſich und ſtreckte ſtumm die Arme gegen mich aus.
Ich küßte ihr die Hand und ließ mich neben ihr nieder.
Nach einigen Minuten Stillſchweigens rief ſie tief bewegt aus: „Ol ich bin ſehr, ſehr unglücklich! Nie⸗ mand iſt ſo unglücklich als ich! .. Aber ſagen Sie meinem Sohne Nichts davon .. er darf es nicht wiſ⸗ ſen!“ „Ich bin ihm ſoeben begegnet, erwiederte ich. Er ſcheint mir ſehr verändert.“ „Das arme Kind iſt nicht wieder zu erkennen das Herzeleid tödtet ihn .. er denkt noch immer an die — Elende rief ſie mit erhobener Stimme und faſt wüthendem Blick. Ruhiger, aber bitter fuhr ſie fort: „und doch hat ſie ihm nur Böſes angethan .. während ich, ich, mein Gott! ihn liebte, wie eine Mutter nur lieben kann . . ja, und
doch denkt er noch an ſie .. denkt vielleicht mehr an
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