iſt das nicht möglich. Eben ſo wenig können Sie bei Ihrer Tante wohnen, weil Ihre nichtswürdige Couſine bei ihr iſt. Mein Vorſchlag entſpricht, nicht blos allen Forderungen des Anſtandes, ſondern läßt Ihnen auch volle Freiheit.
„Ich gehöre jetzt durchaus zu den alten Damen. Wie Sie wiſſen, hat noch Jeder, wenn ich es ſo ge⸗ wollt, ſeine Rechnung bei mir gefunden. Dank unſe⸗ rem künftigen Zuſammenwohnen, kann ich Ihnen vor⸗ trefflich als Matrone dienen.
„Noch ein Wort, Mathilde. Ich hätte Sie nim⸗ mer zu mir eingeladen, ſtände ich nicht ſo in der Welt da, daß Sie Schutz und Hülfe bei mir finden könnten. Wenn die Wahl, der Ruf und das Gewicht meiner Freunde mich für die Zukunft nicht gegen jede Ver⸗ leumdung ſicher ſtellten, würde ich gewiß nicht den
Muth gehabt haben, Ihnen mütterliche Freundſchaft anzutragen. Nicht wahr, Sie verſtehen mich? Dies Geſtändniß darf Sie nicht überraſchen; ich habe Ihnen ſchon manches geſtanden, das meine Eitelkeit ungleich tiefer demüthigte.
„So kommen Sie denn, Mathilde! Sie dürfen einer ſchützenden, liebevollen Aufnahme gewiß ſein!
„In dieſem Augenblicke tritt Emma ins Zimmer und bittet mich, Ihnen zu ſagen, daß ſie recht oft an Sie denke, und, ohne Sie näher zu kennen, Sie doch ſo liebe, wie Sie mich liebe.
„Das ſind ihre eigenen Worte; ſie klingen zu ſüß in meine Ohren, um ſie nicht wörtlich zu wiederholen, nebſt der dringenden Bitte, ja bald in unſre Arme zu eilen. 6
„Sie werden eben ſo ſehr geliebt, als ungeduldig
erwartet von Ihrer 6 Verneuil de Richeville.“


