215.
Sonne ihn gebräunt. Nachdem er mit den Griechen gegen die Türken gefochten, hat er als Freiwilliger den Krieg der Ruſſen gegen die Tſcherkeſſen mitgemacht. Unmöglich laſſen ſich die Erlebniſſe eines Feldzuges an⸗ ſchaulicher und lebendiger erzählen. Wie mir ſcheint, hat er geiſtig ungemein gewonnen; denn er hat ſeine frühere Schüchternheit und Zurückhaltung abgelegt, und die ihm jetzt eigene Feſtigkeit, Zuverſicht und Entſchloſ⸗ ſenheit zeigt die edlen Eigenſchaften ſeines Herzens im ſchönſten Lichte. Natürlich iſt er durch die Nachricht von dem traurigen Ende des Herrn von Mortagne tief erſchüttert und niedergeſchlagen.
„Wir unterhalten uns oft von dieſem trefflichen Freunde, der auch für Sie ein warmes, herzliches In⸗ tereſſe an den Tag legt. Seine Güte, ſein Geiſt, ſeine ächt ritterlichen Eigenſchaften machen ihn überall be⸗ liebt; er iſt in der That ein Mann von ſeltenem mö⸗ raliſchen Muthe, der ohne Anſehen der Perſon ſagt und thut, was Keiner ſagen und zu thun wagt. Mit vollem Rechte nennt ihn die Gräfin A. von Sémur einen unverſchämt⸗ehrlichen Menſchen. Wenn er — wie oft geſchieht — eines der großen Prinzipien, die ihm über Alles gehen, in der Pairskammer ver⸗ theidigt, ſchont ſein derbes, ſchneidiges Wort weder Freund, noch Feind. Trotz ſeiner Jugend kömmt man weit mit ihm, denn ſein Einfluß iſt eben ſo groß als ſeine Unabhängigkeit.
„So ſind die Perſonen beſchaffen, in deren Mitte Sie leben können, wenn Sie wollen. Sie Alle war⸗ ten ſehnlichſt auf Sie, nicht nur Ihre Bekanntſchaft zu machen, ſondern Ihnen zu verſichern, daß Sie ſchon längſt bekannt und geliebt ſind.
„Glauben Sie mir, liebe Mathilde, ſo boshaft und verleumderiſch die Welt im Allgemeinen iſt, ſo wohlwollend und nachſichtig iſt ein ausgewählter Kreis erprobter Freunde.
„Auch ich habe mir, wie Sie wiſſen, Manches vor⸗


