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behrungen ihrer alten Tage empfinden? Dennoch kam keine Klage, kein bitterez Wort wider das Geſchick über ihre Lippen.
„Ich konnte nicht umhin, der Fürſtin meine Bewun⸗ derung auszudrücken, worauf ſie mit rührender Einfalt erwiederte:
„Das Geheimniß von dem, was Sie unſre muthige Ergebung nennen, iſt nicht groß. Wir denken an die, die noch unglücklicher ſind, als wir; wir ſagen uns, wie leicht wir in jenen Prüfungstagen hätten getrennt werden können, beſonders denken wir an unſern gr⸗ men, alten König und an ſeine Kinder, und danken Gott, daß er uns vor ſo Manchem bewahrt hat, wo⸗ von Andere betroffen worden ſind.
„Ich weiß, Mathilde, daß Sie viel Mitleid ver⸗ dienen; ich fordere Sie nicht auf, Ihr Schickſal mit dem Schickſale jenes ehrwürdigen Paares zu verglei⸗ chen und es eben ſo muthig zu tragen, wie dieſe, aber ich widerhole: Eilen Sie, eilen Sie zu uns. Solche Leute lieben dürfen, iſt gewiß tröſtlich. Umſonſt ſuchen Sir in ſich ſelbſt nach Troſtgründen, wenn Sie in den Armen des Schlafes für die Schrecken einſam verleb⸗ ter Tage ſich entſchädigen wollen. Dagegen müſſen Sie ſich erleichtert fühlen, wenn Sie ein ſo liebes Bild vor Augen haben. Warum ſollte es mit den Krankheiten der Seele nicht ſein wie mit denen des Leibes? Gleich⸗ wie eine reine, geſunde Luft den Körper neu belebt, ſo genest auch die kranke Seele im Aether hoher und edler Gefühle.
„Ich kenne Ihre Wohlthätigkeit; aber weil Ihre Beſcheidenheit Sie das Gute, das Sie thun, allzu⸗ ſchnell vergeſſen läßt, vermag jene nicht, Ihren Schmerz zu lindern.
„Noch einmal, kommen Sie zu uns! Keines verſteht ſo gut, Sie zu zerſtreuen, als die liebenswürdige und geiſtreiche Gräfin A. von Sémur, meine Couſine. Sie iſt fein, gewandt, witzig und haßt alles Gemeine


