208
und meinem Kinde eine ſorgenfreie Zukunft zu ver⸗ ſchaffen, wenn Herr von Lanery mein Eigenthum gänz⸗ lich durchgebracht haben ſollte. Ach! dies Kind war nicht mehr. Was lag mir an der Zukunft'“ 6
So floſſen mehr als zwei Jahre im ewigen Einer⸗ lei der Dinge ſchnell dahin.
Am Ende dieſer Zeit litt ich nicht mehr, fühlte ich Nichts, weder Freude noch Schmerz. Vielleicht wäre ich noch lange in dieſer Apathie, in dieſem Starrkrampf aller Seelenkräfte verharrt, hätte nicht der folgende Brief der Frau von Richeville mir die unabweisliche Nothwendigkeit meiner Rückkehr nach Paris bewieſen.
„Paris, 20. Oktober 1834.
„Ungeachtet Ihres Wunſches vom Gegentheile, liebe Mathilde, muß ich Ihnen nochmals von Herrn von Lanery ſchreiben. Wie durch ein Wunder erfuhr geſtern Einer meiner Freunde, daß Ihr Gemahl den Verkauf von Maran beabſichtige; der Kaufsliebhaber bot, wie ich meine, zwanzig oder dreißigtauſend Fran⸗ ken zu wenig. Ich weiß, wie werth Ihnen das Beſitzthum iſt, als Erbſtück von Ihrer ſeligen Mutter, vielleicht auch, weil Sie viel und lange daſelbſt gelitten haben. Deß⸗ halb habe ich, nach vorgängiger Berathung mit Herrn von Rochegune, der ſeit vier Wochen wieder hier iſt, Herrn von Lanery durch einen, ihm unbekannten Ge⸗ ſchäftsmann einen höhern Kaufpreis antragen laſſen, womit Ihr Gemahl ſich zufrieden erklärt hat. Der Contrakt iſt ſchon aufgeſetzt, doch iſt Ihre Gegenwart in Paris unerläßlich.
„Da Sie, laut des Ehekontrakts, Nichts für ſich allein beſitzen dürfen, werden viele Förmlichkeiten nö⸗ thig ſein, um Ihnen das neu erworbene Gut, unter angenommenem Namen, ausſchließlich zuzuwenden und es den Anſprüchen, die Ihr Gemahl erheben könnte, zu entziehen. Sind Sie mit dem Allen einverſtanden⸗ ſo könnten wir ſehr vortheilhaft die Summen anlegen,


