Teil eines Werkes 
10. bis 12. Bändchen (1845)
Entstehung
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ich doch die Quelle jeder zärtlichen Neigung gänzlich in mir verſiegt.

Mitunter erſchreckten mich die Regungen des Haſ⸗ ſes und der Rachluſt in mir. Das Andenken an Ur⸗ ſula erfüllte mich ſtets mit Abſcheu, oft gab es mir gar thörichte Rachepläne ein.

Noch eine Probe vom Eigenſinn des Schickſals! Der Mann darf ſeine Wuth an ſeinem Feinde ſät⸗ tigen, ihn herausfordern, ihn Angeſichts Aller tödten und ſich ſelbſt ſo Recht ſchaffen. . . . . Das Weib, das von einer andern in ihren theuerſten, heiligſten Empfin⸗ dungen gekränkt wird, muß ihren Kummer in ſich ſelbſt begraben!

Noch einmal, wie ſeltſam! Wir, die jedes Leiden in unſrem Grundweſen angreift, dürfen keine ent⸗ ſprechende, glänzende Genugthuung ſuchen! Rächet Euch durch Verachtung, heißt es. Eine ſo ſchamloſe Per⸗ ſon, wie Urſula, verachten! Was hätte ich damit bewirkt?

So verfloſſen meine Tage in fieberhafter Auf⸗ regung oder finſterer Gleichgültigkeit.

Erröthend geſtehe ich, daß weder Gebet, noch Fürſorge für die Armen mir dauernde Erleichterung verſchafften. Das Gute, das ich that, ſagte mir zu, ohne die Leere meines Herzens auszufüllen.

Wiederholt rieth die gute Blondeau Ortwechſel oder Reiſen an, wozu ich weder Luſt, noch Kraft hatte. Obgleich jeder Gegenſtand um mich her die bitterſten und ſchmerzlichſten Gefühle weckten, blieb ich doch in Maran niedergeſchlagen und entnervt.

Tage und Monate ſchwanden dahin, während Denk⸗ und Willenskraft wie erſtarrt waren.

Ich führte das Lehen einer Einſiedlerin. Die ganze Dienerſchaft war Herrn von Lanery nach Paris gefolgt, ſo daß mein Haus Niemand beherbergke als mich, Blondean, zwei Mägde und einen im Dienſte des Herrn von Mortagne ergrauten Kammerdiener.