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Der Anblick der friedlichen, lachenden Natur war mir verhaßt. Ich fühlte, wie die Fähigkeit, zu lieben und glücklich zu ſein, immer mehr in meiner Bruſt erſtarb.
Die ſchönen, warmen, ſonnigen, himmelblauen Tage waren für mich nicht da. Eben ſo wenig die ſchönen, ſternhellen, balſamiſchen, wonnig⸗kühlen ahnungsreichen Nächte.
Oft, wenn ich von der Gegenwart träumte, die, ohne den Tod meines Kindes, ſo glücklich hätte ſein können, war ich Anfällen ſchrecklicher Verzweif⸗ lung und ſtiller Raſerei Preis gegeben. Denn ach! ich hatte eine Ahnung bekommen, welch unerſchöpfliche Quelle des Troſtes in der Mutterliebe fließt. Ueber meinem Mutterglück würde ich die grauſame und verächt⸗ liche Behandlung von Seiten des Herrn von Lanery verſchmerzt haben.
In ſolchen Augenblicken fühlte ich ſo recht tief, wie furchtbar die Lage des Weibes iſt, das für das tiefinnerſte Gemüthsleben keinen entſprechenden äußern Wirkungskreis finden kann.
Wunderliche Ungerechtigkeit, die dem Manne, deſſen Vermögen, zu lieben, ungleich weniger entwickelt iſt, als das unſrige, tauſendfachen Erſatz bietet für einen flüchtigen Seelenſchmerz! Denn es iſt ſprüchwörtlich wahr, daß die Grundbedingung unſres Seins für ihn eine Zerſtreuung iſt.
Trotz des gehäſſigen Benehmens meines Gemahles gegen mich, begriff ich nicht, daß ein Verrath den andern rechtfertige oder doch entſchuldige. Freilich dachte ich ſo nicht aus Achtung für Herrn von Lanerh, ſondern aus Achtung vor mir ſelbſt.
Ich wußte wohl, daß die Welt mich nicht ſteinigen werde, wenn ich in den Armen eines Liebhabers Ent⸗ ſchädigung ſuche. Aber wäre mir dieſe Art der Rache auch weniger gemein und entehrend erſchienen, glaubte


