Teil eines Werkes 
10. bis 12. Bändchen (1845)
Entstehung
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Aber die Verachtung und die Mißhandlung eines Nichts⸗ würdigen demüthigſt ertragen, iſt eine ſchimpfliche Schwäche, die vielleicht ein froſtiges Mitleiden, doch nimmer ein warmes, herzliches Intereſſe erregt. Dieſe Entdeckung war eine furchtbare Lehre für mich. Ich geſtand mir, nach ſo vielen und langen Leiden kaum ein Anrecht auf Mitleid mir erworben zu haben. Nachdenken und Erfahrung überzeugten mich, daß die an Laſtern und Buhlerkünſten reiche Urſula den Augen der Welt oder doch der großen Mehrzahl der Menſchen gefallen könne, während ich nur eine kalte Achtung oder eine oberflächliche Theilnahme ein⸗ zuflößen im Stande ſei. Wenigſtens blieb mir die tröſtliche Gewißheit, niemals wider meine Pflichten verſtoßen zu haben. Dieß Bewußtſein wurde die Quelle jener bitterfüßen Verachtung, womit ich das harte Urtheil der Welt und die Ausſchweifungen eines Gat⸗ t

Wer beſchreibt meine Muthloſigkeit, meine Betäu⸗ bung, als ich nach langer Krankheit ſo ganz verlaſſen mich fand, und mein vor der Geburt verſtorbenes Kind ſo ganz allein beweinen mußte!

Das tragiſche Ende des Herrn von Mortagne, der meine einzige Stütze geweſen, machte meine Lage noch peinlicher.

Während des Winters litt ich mit finſtrer Erge⸗ bung; doch die erſten ſchönen Frühlingstage, der An⸗ blick der erſten Maiblumen brachten die alten Wunden wieder zum Bluten. Der Winter paßte wenigſtens zu meiner Seelenſtimmung. Als aber die Natur in ver⸗ jüngtem Glanze mich anlächelte; als Alles Leben und Liebe athmete; als die mit dem Dufte der jungfräu⸗ lichen Knoſpen geſchwängerten Lüfte mich ſo lauwarm anwehten; als die muntern Vöglein aus ihren grünen

Lauben mir ihren Gruß zuriefen; da wuchs meine Verzweiflung. .