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Sie mir nicht, wie vorhin, abermals den Vorwurf machen, eine ernſte Unterhaltung in eine verliebte Zän⸗ kerei zu verwandeln?“
„Nein, nein, wir werden dieſe ernſte Unterhaltung wieder aufnehmen. Aber ſprechen Sie ſich jetzt deut⸗ lich aus. Ich bin begierig, das Ideal kennen zu ler⸗ nen, welches Ihre Träume erfüllt.“
„Mein Ideal? Wozu, armer Vetter? Es geht mit jenen Helden, von welchen die jungen Mädchen träumen, gerade ſo, wie mit den Antworten, auf welche man ſich vorbereitet hat. Man ſagt das Ge⸗ gentheil von dem, was man hatte ſagen wollen und man verehrt eine Perſon, welche nicht die geringſte
Aehnlichkeit mit derjenigen hat, von welcher man
träumte. Jedoch gibt es eine Hauptbedingung, von welcher ich niemals abgehen werde: der Mann, dem ich meine Liebe widmen ſoll, muß vollkommen frei, d.
h. unverheiratet ſein.“
„Und warum wenden Sie einen ſo unverſöhnlichen Oſtracismus gegen die Ehemänner an?“ „Zuerſt, weil ich es verſchmähe, ein getheiltes
Herz zu beſitzen, und dann hat das Benehmen eines
galanten Ehemanns etwas Lächerliches. Er gleicht den Amphibien und erſcheint mir bald wie ein Schü⸗ ler in den Ferien, bald wie ein gereizter Familien⸗ vater, und dann, aber Sie finden das vielleicht albern, kommt mir ein galanter Ehemann faſt immer vor wie ein verheirateter Prieſter.“ „Dieß Porträt iſt gewißlich nicht ſehr ſchmeichel⸗ haft,“ entgegnete Gontran, ſich mit Mühe beherrſchend. „Sie alſo, mein lieber Vetter,“ fuhr Urſula fort, „Sie z. B. haben Ihren ganzen früheren Zauber ver⸗
loren und wären Sie auch wirklich noch unverheiratet,
ſo würde es Ihnen dennoch nicht gelingen, meine Liebe u erwerben. Ja, gewiß. Denn bei alledem, was nd Sie denn eigentlich? Ein vornehmer, ſehr liebens⸗
würdiger, ſehr geiſtreicher Herr, ausgeſtattet mit einem


