Teil eines Werkes 
10. bis 12. Bändchen (1845)
Entstehung
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Mein Gott, mit welcher Jammermiene ſprechen Sie mir von Ihrer ehelichen Treue! Man ſollte bei⸗ nahe glauben, Sie empfinden Gewiſſensbiſſe, eine gute That begangen zu haben, und verzweifeln darob, nicht ſtrafbarer zu ſein.

Sie haben Recht, Coufine, ich hielt mich für ſchuldiger und ſetzte bei Ihnen eine größere Aufrichtig⸗ keit voraus

Halten Sie ein, Sie ſind ja im höchſten Grade erzürnt.

Zch, Sie täuſchen ſich, das ſchwöre ich Ihnen.

Sie ſind wüthend, ſage ich Ihnen. Ach, theurer Vetter, Sie glaubten, ſich nur blicken laſſen zu dür⸗ fen, um mir zu gefallen und Knall und Fall meine Eroberung zu machen. Doch jetzt fällt mir ein, fuhr Urſula mit noch lauterem Lachen fort,Sie haben ſich gewiß eingebildet, mich ſchon vor meiner Verheiratung in dem Augenblick, in welchem Sie ſich Mathilden vorſtellen ließen, auf's Tödtlichſte verwundet zu haben und, bei Ihrer Durchreiſe durch Rouvray abermals verwundet, hätte ich keinen andern Gedanken faſſen, kein anderes Verlangen hegen können, als Sie hier oder in Paris wiederzuſehen, und daß ich in meinem Eifer, Ihnen den Hof zu machen, auf die Gefahr hin, den Hals zu brechen, muthig Unterricht im Reiten nehme, um dadurch Gelegenheit zu bekommen, Ihre Nähe länger genießen zu können, um einen Blick mehr von Ihnen zu erwerben und Sie ausrufen zu machen: Arme Kleine, welch' eine Ergebung, welch' ein Muth! oder wohl auch: Ach, die Frauen, die Frauen! Wenn einer dieſer Dämone es ſich in den Kopf geſetzt, uns zu verführen, ſo gelingt es ihr ſicherlich! In dieſer Beziehung, Vetter, haben Sie, unter uns geſagt, nicht ſo ganz Unrecht gehabt, denn ich meine allerdings, Sie ein klein wenig verführt zu haben, obgleich es keines⸗ wegs meine Abſicht war.

Ich bemerke, ſagte Gontran immer gereizter,