außerordentlich wohl anſtand, ihr ſchönes braunes Haar umfloß ihre Grübchenwangen und nie hatte ich
das Blau ihrer Augen reiner geſehen. Man hätte
meinen ſollen, der Himmel ſpiegele ſich in ihnen.
Die Stute, welche ſie mit einer Sicherheit ritt, die mich verwirrte, war ein Goldfuchs, deſſen glän⸗ zendes Haar in der Sonne funkelte, während ſeine langen, ſchwarzen Mähnen im Winde flatterten. Das Pferd ſchien über die leichte Laſt, die es trug, ſich glücklich zu fühlen und den Raſen kaum mit ſeinen Füßen zu berühren. 2
Gontran ritt ein Jagdpferd, ſchwarz wie Eben⸗ holz, und trug einen Jagdanzug von der Farbe ſeiner Livree, hellblau mit einem Kragen von Orangeſammet und n goldausgelegten Knöpfen. Das Ban⸗ delier ſeines Hirſchfängers, welches ebenfalls reich ver⸗ ziert war, umſchlang ſeine feine Taille. Seine ſchwarze Sammetmütze ließ ſeine Züge erblicken und hob die Feinheit und den Reiz derſelben noch mehr hervor.
Die Geſuchtheit in Gontran's Anzug fiel mir um ſo mehr auf, da er zur Jagd ſonſt immer mehr, als nachläſſig, gekleidet war.
Meine Coufine wollte ſich dem Wagen nähern, um mit mir zu reden. Ihre Stute wollte aber, ohne Zweifel durch meinen Sonnenſchirm ſchen gemacht, nicht heran.
Ich bekenne zu meiner Schande, daß ich über die⸗ ſes Mißgeſchick, welches die Geſchicklichkeit Urſula's auf die Probe ſtellte, beinahe entzückt war, aber zu meinem großen Erſtaunen runzelte meine Couſine ihre ſchönen Brauen, erhob ihre Reitgerte und ſtrafte das Pferd derb ab.
„Nehmen Sie ſich in Acht, Madame, ſchlagen Sie Stella nicht, ſie iſt ſehr hitzig,“ rief Gontran aus, erſchrocken über Urſula's Verwegenheit.
„Sei kein Trotzkopf, Frauchen, ich beſchwöre dich!“ rief mein Vetter, ſeine beiden Hände ängſtlich gegen ſeine Frau ausſtreckend.


