„Aber ich ſagte Ihnen ja bereits, Coufine,“ rief Herr Secherin aus, „daß Urſula ſehr gut reitet. Hat ſe zwei letzten Monate her ſonſt beinahe Nichts gethan.
„Mathilde hat Recht,“ meinte Urſula reſignirt, „es wird klüger ſein, auf dieſes Vergnügen zu ver⸗ zichten.“
„Sie können wohl glauben, Madame,“ nahm Gon⸗ tran das Wort, „daß um keinen Preis in der Welt ich Sie einer Gefahr ausſetzen möchte. Frau von Lanery hat es nie gewagt, ein Pferd zu beſteigen, und ich mußte ſie daher aus Vorſicht des Vergnügens berau⸗
ben, ſie mit mir zu nehmen, während Sie nach den
Worten unſeres Couſin —“
„Ich verbürge mich, daß meine Frau Sie in Stau⸗ nen ſetzen wird,“ rief Herr Secherin. „Der Stall⸗ meiſter aus Tours konnte gar nicht von demſelben zu⸗ rückkommen.“
„Ich habe gerade eine Stute in meinen Ställen, die ſehr ſanft iſt,“ ſagte Herr von Lanery, „ſie wird trefflich für Madame Secherin paſſen und wenn meine Couſine nur einiges Vertrauen zu mir hat, braucht ſie durchaus Nichts zu befürchten.“
„Ich ſetze gewiß das größte Vertrauen in Sie, mein Couſin,“ ſagte Urſula zaudernd, „allein Alles wohl bedacht, ſollte es mir Leid thun, mich einem Ver⸗ gnügen hinzugeben, welches Mathilde nicht theilen kann.“
„Aber was ſind Sie doch für ein Kind!“ ſagte Herr Secherin zu ſeiner Frauz „wenn auch Frau von Lan⸗ ery nicht ſelber reitet, ſo wird ſie Sie doch nicht da⸗ ran verhindern wollen, nicht wahr, Couſine?“
„Nun gut, liebe Mathilde,“ ſagte Gontran, „Sie ſollen dieſe Frage in letzter Inſtanz entſcheiden, Ihre hohe Weisheit ſoll den Ausſpruch thun. Erlauben Sie der Madame Secherin zu reiten? Sehen Sie ſich wohl vor, denn ſagen Sie Nein! ſo werden wir Ihnen einen tödtlichen Haß ſchwören, da Sie Ihre Coufine eines großen Vergnügens berauben und mich ebenfalls.“


