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Augen waren zugleich ſo mild und ſo glänzend, ihr Lächeln ſo fein und herausfordernd, ihr Wuchs ſo voll⸗ endet, daß ich unwillkürlich in einen gegenüberhän⸗ genden Spiegel blickte, um eine Vergleichung zwiſchen ihr und mir anzuſtellen.
Ich bemerkte aber mit Schmerz, daß ich blaß war, daß meine Züge verändert, matt und kränklich waren, denn ich war ſeit einiger Zeit leidend. Ich empfand fortwährend ein unbeſtimmtes, beklemmendes Unwohl⸗ ſein, welchem ich meinen Kummen zur Urſache gab.
Zum erſten Male bemerkte ich, daß mein Geſicht jene
erſte Blüthe der Jugend, welche Urſula's Zügen ſo großen Reiz verlieh, bereits eingebüßt hatte.
Das Mittageſſen war ſehr heiter, Dank den Be⸗ mühungen meines Mannes, der Munterkeit und Un⸗ gezwungenheit zu beleben ſuchte. Urſula war ſichtbar befangen. Sie fürchtete, in meinen Augen zu heiter zu ſcheinen und ſo ihren ſchwermüthigen Zauber ein⸗ zubüßen, während ſie auf der andern Seite beſorgte, ſc Gontran in keinem glänzenden Lichte zeigen zu önnen.
Gegen das Ende der Mahlzeit kam Herr Secherin auf ſeinen unglücklichen Vorſchlag zurück, indem er zu Gontran ſagte:
„Lieber Coufin, ich behauptete vorhin gegen Frau von Lanery, daß Urſula im Stande ſei, jedes Ihrer Pferde zu reiten.“
„Wie, Madame, Sie reiten?“ fragte Herr von Lanery erſtaunt. „Das iſt ja ein rechtes Glück für uns, ich wage beinahe zu ſagen auch für Sie, denn die Umgegend von Maran iſt ſo reizend und ich bin entzückt, Ihnen dieſe Zerſtreuung bieten zu können.“
Aber, mein Freund, ſagte ich zu meinem Manne, Sie beſitzen ja keine Damenpferde, denn Sie wiſſen, daß Sie mir niemals haben geſtatten wollen, Sie auf die Jagd zu begleiten. Es wäre eine große Unbeſon⸗ nenheitz Urſula einer Gefahr auszuſetzen.
Mathilde. m.


