Vetter fort, „mit welchem Eifer und Muth Urſula lernte. Was ihr um Ihrer Geſundheit willen verord⸗ net worden, wurde ihr zu einem wahren Vergnügen. Sie war ſo kühn, daß der Stallmeiſter meinte, er hätte noch Niemand mit ſo großen, natürlichen Anla⸗ gen geſehen.“
„Ach, mein Freund, Sie übertreiben,“ ſagte Ur⸗ ſula beſcheiden.
„Ich übertreibe? Ei, ich will darauf wetten, daß Herr von Lanery kein Pferd in ſeinem Stalle“ hat, welches Urſula nicht reiten könnte!“ rief Herr Seche⸗ rin ausz „was mich angeht, ſo kann ich von mir nicht das Gleiche behaupten, und auch wohl Sie nicht, Cou⸗ ſine, denn Sie ſind, glaub' ich, keine Reiterin.“
Nein, lieber Vetter, aber es wäre ſehr unbeſon⸗ nen von Urſula, wenn ſie den Verſuch machen wollte, eines der Pferde des Herrn von Lanery zu reiten. Es iſt keines derſelben für eine Dame zugeritten, und das wäre alſo ſehr gefährlich für ſie.“
„Gefährlich! Ja, da kennen Sie ſie ſchlecht. Ge⸗ fährlich? Als ob ſe Etwas fürchtete, wenn ſie einmal u Pferde ſitzt. Sie ſollten ſie nur ſehen, wie hübſch je dabei ausſieht, und wie gut ihr das Amazonenkleid ſteht. Wenn ich ſie nur anſehe, wird mir der Kopf verrückt. Du wirſt Dich vor unſerer Couſine als Ama⸗ zone e laſſen, nicht wahr?“
Mein Herz blutete. Bie Eiferſucht — und daß ich's nur geſtehe, der Neid verwundete mich tödtlich.
†ch ſah Urſula bereits zu Pferde, an der Seite Gon⸗
tran's, kokett, kühn, ungeſtüm, Beide zu langen Spa⸗ zierritien aufbrechend, und ich — ich blieb allein. Nein; nein! ſagte ich zu mir, vor Zorn bebend, das ſoll nicht geſchehen. Urſula muß fort, ich werde den Rath der Herzogin von Richeville befolgen.
In dem Augenblick, wo ich mich dieſen bittern Gedanken hingab, ſagte Urſula: „Es iſt bald Eſſenszeit, liebe Mathilde. Willſt


