Teil eines Werkes 
7. bis 9. Bändchen (1845)
Entstehung
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21⁰

Frauen, welche Ja ſagen, wenn ſie Nein denken. Meine Mutter wiederholte mir immerfort: Frau von Lanery iſt die Wahrheit, die Ehre in eigener Perſon; was ſie ſagt, iſt wie das Evangelium. Nicht wahr, Urſula? Gewiß, mein Freund, und indem Ihre Mutter ſo ſprach, drückte ſie nur meine Gedanken aus. Ja, das iſt wahr. Sehen Sie, Couſine, Sie haben keine treuere Freundin, ach, was ſage ich, keine treuere Schweſter, als meine Frau. Das iſt immer Mathilde hier und Mathilde da. Kurz, beſonders ſeit Ihrer Reiſe nach Rouvray iſt Urſula wie beſeſſen, um mit Ihnen zuſammen zu wohnen. Sie können wohl denken, wie mir das gefällt, denn ich ſchwöre auch nur bei Ihnen, ohne indeſſen meinen Vetter Lanery zu vergeſſen. Ach, Couſine, zwei machen ein Paar, wie man ſagt. Sie find für Herrn von Lanery geboren, wie Herr von Lanery für Sie. Das iſt gerade, ohne Eitelkeit zu ſprechen, wie Urſula für mich geboren iſt, und ich für ſie. Aber das iſt auch ſehr wahr, fügte Herr Secherin laut lachend hinzu,die großen Herren ſind für die großen Damen, wie Sie, gemacht, wäh⸗ rend die hübſchen, kleinen Bürgerinnen, wie Urſula, für die guten, kleinen Bürger ſind, wie ich einer bin. Ich bin nicht Ihrer Meinung, Vetter. Es beſteht kein ſolcher Unterſchied zwiſchen Urſula und mir. Sind wir nicht Verwandte? ſagte ich, da ich bemerkte, daß das Geſpräch eine unangenehme Wendung nahm, und Herr Secherin den Stolz ſeiner Frau ſchwer verletzte. Wenn aber mein Vetter einmal eine Idee erfaßt hatte, war es unglücklicherweiſe ſehr ſchwer, ihn wie⸗ der davon abzubringen, weßhalb er erwiderte: Sie verſtehen mich nicht, Couſine. Ich ſpreche nicht von der Geburt, ich weiß recht gut, daß die Fa⸗ milie meiner Frau von Adel, und daß ich nur ein ſimpler Bürger, allein ich ſage, daß Sie und Ihr Ge⸗ mahl ſo etwas Höheres, Imponirendes an ſich haben, was mir und Urſula abgeht, und ich für meinen Theil