Teil eines Werkes 
7. bis 9. Bändchen (1845)
Entstehung
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Neunundzwanzigſtes Kapitel. Yie beiden Freundinnen.

Urſula fiel mir um den Hals und umarmte mich voll Zärtlichkeit. Ich erwiderte nur kalt dieſe Freund⸗ ſchaftsbezeugung, meine Cuufine bemerkte aber die Lauheit meines Empfanges nicht, oder wollte ſie nicht bemerken.

Nachdem die Begrüßungen vorüber, ſagte mir Herr Secherin, ſeine Frau anſehend, mit einem Seufzer:

„Nun, Couſine, den Tag, nachdem Sie abgereiſt, waren, haben wir uns von Mamg getrennt und Rou⸗ vray verlaſſen. Ach, Sie können es ſich nicht vor⸗ ſtellen, wie das meiner Frau ſo ſchwer wurde. Ihre Seele war ganz davon zerriſſen, was einen Beweis ihrer Herzensgüte liefert, denn, ohne Vorwurf ſei's geſagt, meine Mutter hat ſich ſehr grauſam und unge⸗ recht gegen ſie benommen. Aber, was wollen Sie? Haben ſ6 alte Leute einmal Etwas in den Kopf ge⸗ ſetzt, ſo iſt es ſchwer wieder herauszubringen.“

Sie wohnen doch noch in der Nähe von Ronvray, ſagte ich, um Ihre Mutter ſehen und Ihre Fabrik be⸗ aufſichtigen zu können?

„Freilich, Couſine. Ich habe meine Mutter ſehr oft geſehen. Sie befindet ſich ganz wohl und ich darf, wie meine Frau ſagt, überzeugt ſein, daß der Mutter die Anordnung unſerer Trennung, nun ſie getroffen iſt, viel lieber ſein wird. Sie iſt ungezwungener und

wir gleichfalls. Aber ſie hat Urſula nicht wiederſehen wollen. Meine Frau hat ſehr darob geweint, doch

das macht Nichts, davon iſt nicht die Rede. Jetzt

geht meine Fabrik, ſo zu ſagen, ganz allein. Die Rechnung genau gemacht, habe ich 80,000 Livres Ren⸗ ten und ſo wollen wir, Urſula und ich, uns auch ein we⸗ nig des Lebens freuen. Sie errathen wohlunſern Plan?“ In der That nein, mein lieber Vetter. „Mein Freund,“ ſagte Urſula, „Sie werden in⸗ diskret, ich bitte Sie —“