Teil eines Werkes 
7. bis 9. Bändchen (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

welches man erreichen kann. Iſt Urſula weg, ſo kön⸗ nen Sie bis zum Winter hier ungeſtört ſein und haben dadurch viel gewonnen. Kehren Sie nach Paris zu⸗ rück und fürchten Sie die Koketterie Ihrer Couſine noch immer, ſo können Sie ja zu derſelben Drohung Ihre Zuflucht nehmen. Ich begreife recht wohl, daß Ihre Edelherzigkeit davor erſchrickt, aber Sie werden nicht zu dieſem äußerſten Schritt gezwungen ſein. Glauben Sie mir, Ihre bloße Drohung wird hinrei⸗ chen, Ihre Couſine von ihren Verführungsplänen ab⸗ zubringen. Frauen ihrer Art find jeden Opfers fähig, ſogar dann, wenn es ſich um ihre ſchlechten Leiden⸗ ſchaften handelt.“

Blondeau trat mit Emma ein und machte unſe⸗

rem Geſpräch ein Ende.

Emma eilte auf ihre Mutter zu und brachte ihr mit einem Kuſſe einen großen Roſenſtrauß. Der Spaziergang hatte ihrem Geſicht die lebhafteſte, ſchönſte Färbung verliehen. Sie nahin einen Angenblick zwi⸗ ſchen mir und der Herzogin auf einem Kanapee Platz⸗ Die Herzogin legte den Strauß auf ihren Schvoß, nahm Emma's Hände in eine der ihrigen und ſtrich mit der andern das blonde Haar ihrer Tochter glatt, wel⸗ ches der Spaziergang etwas in Unordnung gebracht.

Indem ich uns Drei ſo beiſammen ſah, dieſes

Kind, ſeine Mutter und mich, und unſere Lage und unſer Alter erwog, bedachte ich, ach, voll Bitterkeit, daß ich nicht mehr die vertrauensvolle Sicherheit des jungen Mädchens beſaß, noch durch die dumpfe Erge⸗

benheit, welche der Kummer der Mutter deſſelben ver⸗ liehen hatte.

Ich mußte all der Schmerzen denken, welche ich Herzogin von Richeville dahin gelangte, auf alle ir⸗ diſche Hoffnung zu verzichten. Das handelnde Alter der Frauen, wenn ich mich ſo ausdrücken darf, erſtreckt ſich vornehmlich vom fünfzehnten bis zum vreißigſten Jahr. Emma, ich und die Herzogin von Richeville

₰

noch durchzumachen haben würde, bevor ich wie die