Juſt ſagte ihm nun ferner, daß eines der größten Kuͤmmer⸗ niſſe des Fraͤuleins von Noirlieu aus der Entfremdung entſpringe, welche ihr Vater ihr zeige, der ſie doch während ihrer Kindheit und erſten Jugend vergöttert. Die unge⸗ rechte Anſchuldigung, die noch auf dem Andenken von Regina's Mutter ruhte, war der einzige Grund der Abnei⸗ gung des Barons von Noirlieu, der ſeit einigen Jahren entdeckt zu haben glaubte, daß Regina nicht ſeine Tochter ſei. Und doch hatte die Baronin von Noirlieu noch ſterbend geſagt:
„Ein Schwur verpflichtet mich zu ſchweigen, ſelbſt in dieſer Sterbeſtunde, aber eines Tages wird meine Unſchuld anerkannt werden.“
Waren Regina's Hoffnungen, das Andenken h Mutter wiederhergeſtellt zu ſehen, auf dieſe Worte blos oder auf beſtimmtere Thatſachen begruͤndet? Daruͤber konnte mir Claude nichts ſagen. Regina liebte ihren Va⸗ ter, ſich an die Zärtlichkeit, welche er ihr ſonſt gewidmet hatte, erinnernd, immer noch, liebte ihn um ſo mehr, als ſie ihn einem wilden, unheilbaren Schmerze hingegeben ſah, der ihn langſam untergrub. Da ſie von der Unſchuld ihrer Mutter uͤberzeugt war, ſo verfolgte ſie deren Ehrenrettung mit den gluͤhendſten Wuͤnſchen, weil dieſe ihr auch das Herz ihres Vaters wieder zufuͤhren mußte. In der Hoff⸗ nung, dieſen unerbittlichen Mann zu ruͤhren, der in der Bizarrerie ſeines Schmerzes ſeine Tochter ſeit ihrer Verhei⸗ rathung nicht hatte wiederſehen wollen, begab ſich Regina


