— 3 —
die mit meinem heißen Wunſche, in Regina's Dienſte zu treten, ſo ganz uͤbereinſtimmten, wollte ich dieſen Entſchluß doch nicht faſſen, ohne erſt Claude Gerard um Rath gefragt zu haben. Ich begab mich daher zu dieſem in das Dorf, das er in der Gegend von Evreur bewohnte. Ich erzaͤhlte ihm mein Leben ſeit unſcer Trennung. Die verdoppelte Liebe, die er mir in Folge dieſer Mittheilung zeigte, bezahlte mich fuͤr alle meine vergangenen Leiden. Er ſchien gluͤcklich und ſtolz darauf zu ſein, zuzuſehen, welche mächtige Hilfe ſeine Lehren der praktiſchen Moral ſtets fuͤr mich in Mitten meiner peinlichen Kaͤmpfe gegen das Schickſal geweſen waren.
Mit dem, was Reines und Erhabenes in meiner Liebe lag, mußte Claude Gerard um ſo mehr ſympathiſiren, als er ein armes und reizendes junges Maͤdchen leidenſchaftlich liebte, und bald heirathen ſollte, das in dem Dorfe wohnte, wo er Lehrer war. Der Vater ſeiner Braut, aus der Sologne gebuͤrtig, wo ſeine Eltern Schnitter geweſen, war ſeit langer Zeit in der Gemeinde aufgenommen. Er trieb das Geſchaͤft eines Fuhrmanns. Mehre Male ſah ich das junge Maͤdchen, es ſchien mir wegen ſeiner Sanftmuth, natuͤrlichen Grazie, und unbefangenen Schoͤnheit Claude's Liebe zu verdienen. Dieſer ſchilderte mir uͤberdies mit Ent⸗ zuͤcken die Eigenſchaften des Herzens, die dieſes Mädchen ſchmuͤckten. Nie hatte ich Claude ſo innig gluͤcklich geſehen, faſt blendeten mich die tauſendfachen Seligkeiten, die er von dieſer bei alledem armen Verbindung erwartete, da ſeine


