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Allein neben ſeinem Bette ſitzend, betrachtele ich dieſe ehrwuͤrdige, ſtets ſanfte und ruhige, obgleich hinfaͤllige Phy⸗ ſiognomie. Beim Anblicke dieſes durch ſein Wiſſen und ſeine Kenntniſſe ſo maͤchtigen, durch ſein Herz ſo großen Mannes, der jetzt erloſch, war ich tief zerknirſcht. Das gimmer, wo er lag, viel aͤrmlicher meublirt, als das, wel⸗ ches ich bewohnte, ſchien die Uneigennuͤtzigkeit dieſes Man⸗ nes zu bezeugen, der, nachdem er Millionen erworben, in erhabener Armuth ſterben ſollte.
Gegen 10 Uhr Abends erwachte der Doctor aus ſeiner Bewußtloſigkeit, er wendete den Kopf nach mir und fragte:
„Welche Zeit iſt's?“
„Bald zehn Uhr, Herr Doctor.“
„Ich habe Dich oft nach der Zeit gefragt, nicht wahr?“
„Ja, Herr Doctor.“
„Schlechtes Symptom! Man iſt um ſo unruhiger wegen der Zeitdauer, je weniger uns davon zu verwenden ubrig bleibt. Das habe ich ſtets bei denen bemerkt, deren Leben erloſch. Ach! ich werde meinen heißgeliebten Juſt nicht wiederſehen! Er kann kaum ſchon uͤbermorgen hier ſein, und ſo lange laufe ich nicht. Wir haben uns ſo oft, er und ich, uͤber mein letztes Stuͤndchen unterhalten, daß wir uns an den Gedanken dieſer Abweſenheit gewöhnt haben, und unſer Abſchied nicht ſo ſchmerzlich wuͤrde gewe⸗ ſen ſein. Nun, ſo ſei's denn!“ ſetzte er mit einem Seuf⸗ zer der Entſagung hinzu.


