— 208 —
daß trotz der ohnſtreitig etwas veralteten Mode dieſer Kleider, er nach dem beſten Geſchmacke gekleidet ſchien. Zu meinem großen Staunen ſah ich, daß meine Herren mich nicht ver⸗ geſſen hatten. Der Schneider zog aus ſeinem Sacke einen Livreeüberrock mit rothem Kragen und ſilbernen Knöpfen, ein rothes Gilet, und blaue Bein⸗Kleider und nußbraune Gamaſchen. Ich mußte meine beſcheidenen Arbeitskleider aus und dieſe Livree, die mir ſo zierlich paßte, anziehen.
Ich empfand eine furchtbare Herzbeklemmung, als ich zum erſten Male dieſe Kennzeichen des Dieners anzog. Einen Augenblick lang zauderte ich ſogar; als ich aber an die Dienſte dachte, die ich Regina in dieſer demuͤthigen Stel⸗ lung leiſten könnte und mich an Claude Gerards Mapime, aus der ich bisher ſo viel Muth, ſo viel Entſagung geſchöpft hatte, erinnerte, daß es keine Stellung giebt, in welcher der redliche Menſch nicht ſeine Wuͤrde behaupten könnte, auch mir noch ſagte, daß mein Widerſtreben oder Bedenken wegen der Livree im Geiſte meiner Herren leicht Verdacht er⸗ wecken koͤnnte, wollte ich nicht, indem ich mich einer Ent⸗ laſſung ihrerſeits ausſetzte, riskiren den einzigen und ſchwa⸗ chen Faden zu zerreißen, der mich ſo zu ſagen mit Regina in Verbindung brachte.
„Da biſt Du nun ſo ohngefähr anzuſehn,“ ſagte Ro⸗ bert zu mir, mich von Kopf bis zu Fuß muſternd. „Sieh nicht ſo verdutzt aus, blicke frei umher! Laß die Arme nicht ſo lang herunter am Leibe kleben, ſonſt machſt Du uns Schande. Vor Allem aber hebe Deine Kleider als Com⸗


