Teil eines Werkes 
8. Band (1844)
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der Riegel iſt vorgeſchoben. Philemon ſieht ja daß jemand hier iſt.“

„Gleichviel.“

„Aber, Madame, das iſt ja ſein Zimmer. Wir ſind ja hier

in ſeiner Wohnung.“ Philemon, vermuthlich ungeduldig, daß ſeine beiden Hah⸗ nenſchreie ſo wenig Wirkung thaten, drehte den Schlüſſel herum, und da die Thür nicht aufgehen wollte, rief er durch dieſelbe mit furchtbarer Baßſtimme: „Ei, geliebte Katze mei⸗ nes Herzens, ſind wir denn eingeſchloſſen? Beten wir zu Sanct Lumphard um die Rückkehr von Mon-Mon? (i. e. Philemon.)

Adriana wollte die Lächerlichkeit und Verlegenheit dieſer Lage nicht noch dadurch vergrößern, daß ſie dieſelbe verlängerte. Sie ging geradeswegs an die Thür und machte ſie auf. Phi⸗ lemon prallte betroffen zwei Schritte zurück. Adriana, ſo ärgerlich ihr auch die Geſchichte war, konnte nicht umhin zu lächeln beim Anblick von Roſe Pompons Liebhaber und der Dinge, die er bei ſich hatte.

Philemon ein ſtattlicher Burſch von friſcher brauner Farbe trug, eben von der Reiſe kommend, ein weißes baskiſches Bar⸗ ret. Sein dichter ſchwarzer Bart fiel auf eine weite hellblaue Weſte à la Robespierre herab. Ein kurzer Rock von vli⸗ venfarbenem Sammet und weite Hoſen mit ungeheuren ſchotti⸗ ſchen Würfeln waren die übrigen Veſtandtheile ſeiner Tracht. Unter dem Arm trug er ein Felleiſen, aus welchem Kopf und Füße einer Gans herausſ ſahen, und in der Hand hielt er einen Käfig, in welchem ein großer weißer Seidenhaſe ſaß. „Ach das liebe weiße Kaninchen! Ach was ſchöne rothe Au⸗ gen!“ rief Roſe Pompon, anſtatt ihren Geliebten zu begrüßen, der doch nach langer Abweſenheit zurückkam. Der Student anſtatt zu zürnen, daß er ſo ganz über ſeinem langohrigen Begleiter vergeſſen wurde, lächelte vergnügt, da er die ſeiner Ge⸗ liebten bereitete Ueberraſchung ſo wohlgefüllig aufgenommen ſah.

Dieſer wunderliche Auftritt in der Thür war die Sache eines Augenblicks. Während Roſe Pompon vor dem Käſig

niederkauerte und über das weiße Kaninchen jauchzte, griff

Philemon, überraſcht durch die ehrfurchtgebietende Miene und Haltung der ihm unbekannten Dame, an ſein Barret, grüßte