Teil eines Werkes 
8. Band (1844)
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wären, würde der Prinz Charmant mich am Ende gewiß ein wenig lieb gehabt haben, denn ich bin doch nicht garſtig. Es iſt freilich ein Unterſchied zwiſchen lieb haben und lieb haben. Ich mache keine großen Anſprüche — aber nicht einmal ſo viel!“ (Sie biß in den Nagel ihres Daumens.) „Nini Moulin hatte Recht, als er hieher kam und mir Koſt⸗ barkeiten und Spitzen brachte, um mich mit ſich zu locken, daß er ſagte: er würde mich in keine Geſchichte bringen, bei der nicht Alles in Ehren zuginge.“

„Nini Moulin?“ fragte Adriana. „Wer iſt das?“

„Ein religiöſer Schriftſteller,“ antwortete Roſe Pompon in ſchmollendem Ton, „ein Kerl, der ſich an alte Küſter ver⸗ kauft hat und ihr Geld einſteckt, angeblich um über die Mo⸗ ral und über die Religion zu ſchreiben. Der hat mir eine ſaubere Moral!“

Bei den Worten religiöſer Schriftſteller, Küſter ging dem Fräulein ein neues Licht auf. Sie ſah hier eine neue neue Spur der Ränke von Rodin und Aigrigny gegen ſie und Dſchalma. Sie fragte weiter: „Aber unter welchem Vorwand hat dieſer Menſch Sie von hier weggeholt?

„Er hat mir geſagt, ich ſollte mitgehn und nichts für meine Tugend fürchten. Ich Bichee nichts zu thun, als mich recht hübſch zu machen. Da dacht' ich: Philemon iſt zu Hauſe; allein langeweile ich mich; die Geſchichte kommt mir drollig vor; was wag' ich dabei? — Ach! ich wußte nicht, was ich wagte! Nini Moulin nimmt mich mit in einer hüb⸗ ſchen Kutſche. Wir halten auf dem Platz des Palais Royal ſtill, und Nini Moulin ſteigt aus. Ein Menſch mit gelbem, tückiſchem Geſicht ſteigt ein, führt mich zum Prinz Charmant und weiſt mir bei ihm ein Zimmer an. Ich ſah den Prin⸗ zen. Gott! wie ſchön iſt er! — ſo ſchön, daß ich anfangs

ganz geblendet war. Und dabei ſah er ſo ſanft und ſo gut

aus! Da dacht' ich gleich: Das wäre nicht übel, hier ordent⸗ lich zu bleiben! Ich glaubte nicht, daß ich ſo wahr ſpräche. Ich bin ordentlich geblieben — ach! mehr als ordentlich!“ „Wie? Sie bedauern, daß Sie ſich ſo tugendhaft gezeigt haben?“ „GHm! — ich bedaure, daß ich nicht wenigſtens den Spaß gehabt habe, etwas zu verweigern. Aber verweigern Sie