.
ſpäter ſich ein paar Liebhaber anſchaffen. Adriana fühlte, welche
Dirne, doch auf das Ergebniß gefaßt: daß unmöglich der Königsſohn eine ernſtliche Neigung zu dieſem Geſchöpf fühlen könnte. Es überraſchte ſie alſo nicht, aber es freute ſie, aus dem Mund ihrer Nebenbuhlerin die Beſtätigung ihrer Vermuthung zu vernehmen. Aber plötzlich tauchte wieder eine quälende Beſorgniß in ihr auf.
Nach den gewöhnlichen Anſichten hätte Adriana durch das Gehörte völlig beruhigt ſein ſollen. Sie war ja ſicher, daß das Herz Dſchalma's ſtets ihr gehört hatte, und es brauchte ihr wenig daran zu liegen, ob der Prinz etwa in jugendlicher Gluth einem vorübergehenden Gelüſt nach dieſem immerhin recht hübſchen und begehrungswerthen Geſchöpf nachgegeben habe oder nicht, da er doch jedenfalls ſich von Roſe Pompon getrennt hatte, alſo den Fehler, wenn er ihn gemacht hatte, bereute.
Aber einen ſolchen Fehler hätte Adriana nicht verzeihen können. Die Trennung des Leibes von der Seele, derzu⸗ folge dieſe von der Befleckung jenes nicht berührt werden ſoll, war für ſie ein Unding. Es ging über ihre Begriffe, daß man ſich mit Einer einlaſſen und dabei an eine Andere denken könne. Ihre junge, keuſche, leidenſchaftliche Liebe war ent⸗ ſchieden in ihrem Anſpruch, was in den Augen Gvottes und der Natur eben ſo gerecht, wie in den Augen der Menſchen lächerlich und einfültig iſt. Eben weil ſie die Religion der Sinne hatte, weil ſie die Sinnlichkeit verfeinerte und als eine Kundgebung Gottes betrachtete, hatte ſie in Betreff der
Sinne Bedenklichkeiten und Empfindlichkeiten, wie ſie die
rauhen Spiritualiſten und die öden Aſceten nicht kennen, welche Ausſchweifungen für nichts achten, weil dieſe blos die verächtliche Materie berühren. Adriana gehörte nicht zu den ſcheuen überzüchtigen Geſchöpfen, welche eher ſterben würden als rund herausſagen: ſte wollten einen jungen, ſchönen, fenrigen und reinen Mann — weshalb ſie denn auch recht
häßliche, abgelebte, lüderliche heirathen und ein halbes Jahr
reizende Friſche in der gleichen Unſchuld zweier ſchönen Lie⸗ benden läge, und welche Bürgſchaft für die Zukunft in der
war, wenn auch nicht auf das ſonderbare Herauspoltern der
füßen Erinnerung einer erſten Liebe, welche zugleich die erſte


