Herzen habe. Ich würde Sie nicht aufgeſucht haben; aber da ich Sie gefunden habe, ſo iſt es natürlich, daß ich die Gelegenheit benutze.“
„Aber, Mamſell,“ fragte Adriana ſanft, „könnte ich we⸗ nigſtens den Gegenſtand der Unterredung erfahren, welche wir mit einander haben ſollen?“
„Ja, Madame,“ erwiderte Roſe Pompon mit verdoppelter Keckheit, die jetzt mehr erzwungen als natürlich war. „Erſt⸗ lich müſſen Sie nicht glauben, daß ich mich unglücklich fühle und Ihnen eine Eiferſuchtsſcene ſpielen oder das Geſchrei einer Sitzengelaſſenen ausſtoßen will. Bilden Sie ſich das nicht ein. Gott ſei Dank! ich brauche mich über den Prinz Charmant nicht zu beſchweren (das iſt der Name, den ich ihm gegeben). Im Gegentheil, er hat mich recht glücklich gemacht; und wenn ich ihn verlaſſen habe, ſo iſt es wider ſeinen Willen geſchehen und weil es mir gefallen hat.“ Sie ſtieß einen Seufzer aus, der weder zum Ton noch zum In⸗ halt ihrer Worte ſtimmte, und fuhr fort: „Ja, Madame, ich hab' ihn verlaſſen, weil es mir gefallen hat; denn er war vernarrt in mich. Wenn ich gewollt hätte, würde er mich ſogar geheirathet haben — ja geheirathet, Madame. Ihr Schade iſt's, wenn das, was ich da ſage, Ihnen weh thut. Wenn ich ſage: Ihr Schade, ſo meine ich, ich habe Ihnen weh thun wollen. Ja, das hab' ich gewollt. Aber als ich Sie vorhin ſo gut gegen die arme Mayeur geſehen habe,
da habe ich, obwohl ich gewiß Recht hatte, . etwas ge⸗ fühlt . Kurzum . ſo viel iſt gewiß, ich verabſcheue
Sie, und Sie verdienen es.“ Dabei ſtampfte ſie mit dem Fuß auf den Boden.
Wäre auch Adriana viel weniger ſcharfblickend und viel weniger begierig geweſen, die Wahrheit herauszufinden, ſo hätte ſie aus dieſem Geſchwätz entnehmen müſſen, daß Roſe Pomvon, welche prahlte, der Prinz Charmant ſei in ſie vernarrt und wolle ſie heirathen, eine ungeheure Lüge daher machte, — daß ſie nicht geliebt wurde, und daß ein heftiger Verdruß über verſchmähte Liebe ſie ein Zuſammentreffen mit Adriana wünſchen ließ, um ihren Zorn an ihrer glücklichen Neben⸗ buhlerin auszulaſſen, was ſie aber bei dem Eindruck, den Adriana auf ſie machte, nicht vollſtändig konnte. Adriana


