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„Beruhigen Sie ſich, liebes Kind. Sie ſehen, die Waffen der Böſen wenden ſich oft wider ſie ſelber. Von dem Au⸗
genblick an, wo ich Ihre Flucht erfahren hatte, waren Sie
mir nur noch werther geworden. Ich habe ſeitdem alles Mögliche gethan, um Sie wieder zu finden. Nach langem Suchen hat endlich heute erſt die damit beauftragte Perſon Ihre Wohnung ausfindig gemacht. Agricola war bei mir und bat mich um Erlaubniß, mich begleiten zu dürfen.“
„Agricola!“ rief die Mayeux, die Hände zuſammenſchlagend. „Er iſt gekommen . . 24
„Ja liebes Kind. Beruhigen Sie ſich. Während ich mich mit Ihnen beſchäftigte, iſt er Ihrer Schweſter beigeſprungen. Sie werden ihn bald ſehen.“
„Ach Fräulein,“ ſagte die Mayeur erſchrocken, „gewiß weiß er 3
„Von Ihrer Liebe? Nein Beruhigen Sie ſich und den⸗ ken Sie nur an das Glück, dieſen lieben Bruder wieder zu finden.“
„Fräulein! möge er nie erfahren, was mir ſolche Scham verurſachte, daß ich deßhalb ſterben wollte. Gott ſei Dank, daß er nichts davon weiß!“
„Er weiß nichts. Alſo weg mit den traurigen Gedanken, liebes Kind. Denken Sie an dieſen trefflichen Bruder, um ſich zu ſagen, er ſei zu rechter Zeit gekommen, um uns ewi⸗ ges Bedauern zu erſparen und Ihnen einen großen Fehler. Ich ſpreche nicht nach den Vorurtheilen in Betreff des Rech⸗ tes der Geſchöpfe, dem Schöpfer ein zu drückend befundenes Leben zurückzugeben. Ich ſage Ihnen blos, Sie hätten nicht ſterben ſollen, weil die, welche Sie lieben und von welchen Sie geliebt werden, Ihrer noch bedurften.“
„Fräulein, ich hatte geglaubt, Sie wären glücklich. Agricola war mit der jungen Frau verheirathet, die er liebt, und die ihn gewiß glücklich machen wird. Wem konnte ich nützlich ſein?“
„Erſtlich mir, wie Sie ſehen. Und dann, wer ſagt Ihnen, daß Agricola nie Ihrer bedürfen wird? Sie wiſſen nicht, ob ſein und der Seinigen Glück ewig dauern, ob er nicht harten Prüfungen unterworfen werden wird. Und geſetzt, die, von welchen Sie geliebt werden, müßten immer glücklich ſein, wäre dann ihr Glück vollſtändig ohne Sie? Hätten nicht
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