Teil eines Werkes 
8. Band (1844)
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hätte. Das Ihrige iſt ſchmerzlich, das meinige iſt demüthi⸗ gend. Schweſter, Sie ſehen, das Unglück hebt auf, was man Abſtand nennt. Oft fallen die vielbeneideten Glücklichen die⸗ ſer Welt viel tiefer, als die Geringſten und Aermſten, ſo daß ſie dieſe um Mitleid und Troſt anſprechen müſſen.“ Sie trocknete ihre reichlich fließenden Thränen und fuhr fort: „Muth gefaßt, Schweſter, wir wollen einander lieben und aufrecht halten. Möge dies traurige, geheimnißvolle Band uns für immer vereinigen.“

Die Mayeur konnte noch immer ihre Verwirrung nicht überwinden und ſagte: „Verzeihen Sie, Fräulein. Jetzt, wo Sie das Geheimniß meines Lebens wiſſen, meine ich, ich könnte Sie nicht mehr ohne Verwirrung anſehen.“

„Warum?“ fragte Adriana. „Weil Sie den jungen Bau⸗ doin leidenſchaftlich lieben? Nun, dann muß ich vor Ihren Augen vor Scham vergehen, denn weniger beherzt als Sie, habe ich nicht die Kraft gehabt, zu dulden, mich in mein Schickſal zu ergeben und meine Liebe im tieſſten Herzen zu verbergen. Der, den ich liebe — mit einer jetzt unmöglichen Liebe — er hat von dieſer Liebe gewußt und ſie verſchmäht und mir ein Weib vorgezogen, deſſen Wahl an ſich ſchon für mich eine neue tiefe Schmach iſt, — wofern der Schein mich nicht über ſie täuſcht. Und zuweilen hoffe ich, der Schein möge mich getäuſcht haben. — Jetzt ſagen Sie, iſt es an Ihnen die Augen niederzuſchlagen?“

„Sie wären verſchmäht um eines Weibes Willen, das

nicht werth iſt, mit Ihnen verglichen zu werden?“ rief die Mayeur. „Fräulein, ich kann es nicht glauben.“ „Auch ich kann es manchmal nicht glauben, ohne Ueber⸗ muth, aber im Bewufßtſein deſſen, was ich bin. Dann ſag' ich mir: NRein, die, welche mir vorgezogen wird, hat ohne Zweifel etwas, das Geiſt und Herz desjenigen rührt, welcher mich um ihretwillen verſchmäht.“

„Fräulein,“ ſagte die Mayeur, „wofern nicht Alles, was ich höre, ein Traum iſt, wenn nicht trügeriſcher Schein Sie irre führt dan muß Ihr Schmerz groß ſein.“

„Ja, arme Freundin, er iſt 3ß Aber ich hoffe, dieſe unglückſelige Leidenſchaft wird jetzt, wo ich Sie wieder ge⸗ funden habe, ſchwächer werden. Vielleicht finde ich die Kraft,