— 134 —
„Sie haben Recht, liebes Kind,“ erwiderte Adriana. „Wenn ich einen faſt feierlichen Augenblick wähle, um Ihnen eine peinliche Mittheilung zu machen, ſo geſchieht es in der Ueber— zengung, daß Sie nach Anhörung derſelben ſich um ſo inniger an mich anſchließen werden, je mehr Sie ſehen, wie ſehr ich Ihres Mitgefühls — — Ihres Troſtes — — Ih⸗ res Mitleids bedarf.“
Die Mayeur richtete ſich mit Anſtrengung ein wenig auf und blickte, auf ihr Lager geſtützt, das Fräulein verwundert an. Sie traute ihren Ohren nicht. Ihre Wohlthäterin, weit entfernt, ihr Geheimniß ihr abzulocken, wollte ihr ein peinliches Geſtändniß machen, ſie, die Mayeut, um Troſt und Mitleid bitten. „Wie?“ ſtammelte ſie. „Sie, Fräulein — — wollen — —2“
„Ich will Ihnen ſagen: Ich — — leide — — und ſchäme mich meines Leidens. Das peinlichſte Geſtändniß will ich Ihnen machen. — — Ich liebe, — — und ich erröthe — —
über meine Liebe.“
„Wie, ich!“ rief die Mayeur unwillkürlich, die Hände zu⸗ ſammenſchlagend
„Ich liebe“ fuhr Adriana in einem Ausbruch lange ver— haltenen Schmerzes fort. „Ich liebe und werde nicht geliebt. Meine Liebe iſt jämmerlich — — unmöglich. Sie verzehrt — tödtet mich. Und ich wage nicht — irgend Jemanden dies unſelige Geheimniß anzuvertrauen.“
„Wie ich!“ wiederholte die Mayeur mit ſtarrem Blick. „Sie, Königin an Schönheit, Rang, Reichthum, Geiſt — ſie leidet wie ich! — Wie ich, das arme unglückliche Geſchöpf, liebt ſie — und wird nicht geliebt!“
„Ja, wie Sie, liebe ich, und werde nicht geliebt!“ rief das Fräulein. „Hatte ich Unrecht, wenn ich Ihnen ſagte, nur
Ihnen könnte ich mich anvertrauen, weil Sie gleiches Leid
gelitten haben und allein Mitleid mit mir haben können?“ Die Mayeur hatte ſich unterdeſſen von ihrer Ueberraſchung erholt. Sie ſchlug die Augen nieder und ſagte: „Alſo, Fräu⸗ lein, Sie wußten — — —2“ „Ich wußte Alles.“ unterbrach Adriana. „Aber nie würde ich mit Ihnen von Ihrem Geheimniß geſprochen haben, wenn ich nicht Ihnen ein noch peinlicheres anzuvertrauen gehabt


