Teil eines Werkes 
8. Band (1844)
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Neunzehntes Kapitel. Weitere Geſtändniſſe.

Der anfangs ſo peinliche Gedanke, daß das Fräulein um ihre Liebe wiſſe, verwandeite ſich bald in dem trefflichen Her⸗ zen der Mayeur in einen ihrer Anhänglichkeit und Vereh⸗ rung für Adriana entſprechenden, ſanfteren Schmerz. Sie dachte: „Hätte ich nicht meiner gütigen Wohlthäterin ein Geſtändniß mächen können, welches ich vorhin ins Grab mit⸗ zunehmen glaubte? Dies wäre wenigſtens ein Beweis mei⸗ ner Dankbarkeit gegen ſie geweſen. Aber leider bin ich des traurigen Glücks beraubt, meiner Wohlthäterin das einzige Geheimniß meines Lebens anzuvertrauen. So edel ihr Mitleid mit mir ſein mag, ſo verſtändig ihre Zuneigung — ihr, der bewunderten

Schönheit, iſt es nicht gegeben, je die entſetzliche Lage eines Geſchöpfs, wie ich, zu begreifen, welches im tiefſten Herzen eine ſo hoffnungsloſe wie lächerliche Liebe verbirgt. Trotz ihrer zarten Zuneigung, trotz dem, daß ſie mich bedauert, würde meine Wohlthäterin unbewußt mich verletzen. Nur verbrüderte Schmerzen können einander tröſten. Ach! warum hat ſie mich nicht ſterben laſſen?“

Dieſe Betrachtungen waren im Flug vor dem Geiſt der Mayeur vorübergegangen. Adriana, welche ſie aufmerkſam beobachtete, hatte geſehen, wie ihre Miene ſich verdüſterte und eine ſchmerzliche Demüthigung verrieth. Erſchreckt über dieſe Niedergeſchlagenheit, welche vielleicht der Anfang eines Rückfalls in ihren todtenähnlichen Zuſtand ſein konnte, ſagte

ſie: „Liebe Freundin, meinen Sie nicht, daß der bitterſte, demüthigendſte Kummer erleichtert wird, wenn man ihn in „ ein treues Herz ausſchütten kann?“

„Ja, Fräulein. Aber das Herz, welches im Stillen leidet, ſollte allein entſcheiden, wann der Augenblick zu einem ſo peinlichen Geſtändniß gekommen iſt. Bis dahin möchte es menſchlicher ſein, das ſchmerzliche Geheimniß zu achten, wenn

man dahinter gekommen iſt.“

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