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„Das habe ich geſchrieben, Fräulein. Aber welchen Grund hatte man, es Ihnen zu verheimlichen?“
„Man fürchtete, Sie zu mir zurückkommen zu ſehen, weil Sie mein Schutzengel waren. Meine Feinde fürchteten Ihre treue Zuneigung und Ihr bewunderungswürdiges Ahnungsvermögen. Nie werd'ich vergeſſen, wie ſehr Sie Recht hatten, einen Elenden zu verabſcheuen, den ich gegen Ihren Argwohn vertheidigte.“
„Den Herrn Rodin?“ fragte die Mayeur ſchaudernd.
„Ja. Aber laſſen Sie uns jetzt nicht weiter von dieſen Leuten ſprechen. Die Erinnerung an ſie würde die Freude verderben, die ich empfinde, indem ich Sie wiederaufleben ſehe. Ihre Stimme wird ſtärker, Ihre Wangen färben ſich ein wenig. Gott ſei gelobt! Ich bin glücklich, daß ich Sie wiedergefunden habe. O, wenn Sie wüßten, was ich alles von unſerer Wiedervereinigung hoffe! Denn wir werden uns doch nicht mehr trennen? — Verſprechen Sie mir es im Namen unſerer Freundſchaft.“
Die Mayeur ſchlug ſchüchtern die Augen nieder und ſagte: „Ich? — — Fräulein — — wäre Ihre Freundin?“
„Kurz vor Ihrem Weggang habe ich Sie Freundin und Schweſter genannt. Was hat ſich ſeitdem geündert? Nichts — außer daß unſere beiderſeitige Lage gleicher, und Ihre Freundſchaft mir werther geworden iſt. Nicht wahr, ich be⸗ ſitze Ihre Freundſchaft? Verweigern Sie mir dieſelbe nicht. Ich bedarf ſo ſehr einer Freundin!“
„Sie, Fräulein, ſollten die Freundſchaft eines ſo armen Geſchöpfs wie ich bedürfen?“
„Ja,“ antwortete Adriana mit einem ſchmerzvollen Blick. „Noch mehr. Sie ſind vielleicht die einzige Perſon, der ich — — bitteren Kummer anzuvertrauen wagen könnte.“
Ueberraſcht von dieſen Worten und von dem plötzlichen Erröthen des Fräuleins, fragte die Mayeur: „Und was er⸗ wirbt mir ein ſolches Vertrauen?“
„Ihr Zartgefühl — — Ihre Zuverläſſigkeit. — — Sie ſind Weib. Gewiß werden Sie beſſer, als irgend Jemand begreifen, was ich leide, und mich bedauern.“
„Sie bedauern?“ fragte die Mayeur mit wachſendem Erſtau⸗ nen. „Ich geringe Perſon, wie könnte ich eine ſo beneidete Dame bedauern?“
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