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„Rechnen Sie ſtets auf mich, liebes Kind,“ antwortete Adriana, ihre peinliche Verlegenheit verbergend. „Sie wiſ⸗ ſen, ich nehme Antheil an Allem, woran Sie Antheil neh⸗ men. Aber ſagen Sie mir doch — nicht wahr, ehe Sie dieſen verzweifelten Entſchluß faßten, hatten Sie mir ge⸗ ſchrieben ?“
„Ja, Fräulein.“
„Ach, wie vergeßlich, wie undankbar muß ich Ihnen vor⸗
gekommen ſein, da Sie keine Antwort von mir erhielten!“
„Nie habe ich Sie angeſchuldigt, Fräulein. Meine arme Schweſter kann es Ihnen bezeugen. Dankbar bin ich gegen Sie geweſen bis zum letzten Augenblick.“
„Ich glaube es. Ich kenne Ihr Herz. Aber wie konnten Sie ſich mein Schweigen erklären?“
„Ich habe geglaubt, Sie fühlten ſich durch meinen plötz⸗ lichen Weggang verletzt.“
„Verletzt! — Leider habe ich Ihren Brief nicht erhalten.“
„Und doch wiſſen Sie, daß ich Ihnen geſchrieben habe?“
„Ja, arme Freundin. Ich weiß auch, daß Sie ihn bei meinem Portier geſchrieben haben. Leider hat dieſer Mann Ihren Brief meinem Kammermädchen Florine gegeben und geſagt, er käme von Ihnen.“
„Florinen? Dieſer jungen Perſon, die ſo gütig gegen mich geweſen iſt?“
„Florine hat mich ſchmählich betrogen. Sie war an meine Feinde verkauft und hat denſelben als Kundſchafterin gedient.“
„Sie? Um Gotteswillen! Iſt's möglich?“
„Ja, ſie. Indeß muß man ſie eben ſo ſehr beklagen als tadeln. Sie gehorchte einer ſchrecklichen Nothwendigkeit, und ihre reuigen Geſtändniſſe haben ihr meine Verzeihung vor ihrem Tod verſchafft.“
„Auch ſie iſt geſtorben? das ſchöne, junge Mädchen?“
„So großes Unrecht ſie auch gethan hatte, bin ich doch von ihrem Ende tief gerührt worden. Mit bitterer Reue hat ſie ihre Fehler geſtanden. Unter andern hat ſte mir geſagt, ſie habe einen Brief unterſchlagen, in welchem Sie mich um
eine Unterredung baten, welche Ihrer Schweſter das Leben
retten könnte.“


