Teil eines Werkes 
8. Band (1844)
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dieſe ein Muſter von Reichthum, Anmuth und Schönheit, jene ein Muſter von Hingebung und unverdientem Unglück welches mit Muth und Würde ertragen, wohl auch ſeinen Heiligenſchein hat.

Die Mayeur war ſo ſchwach, daß Adriana auch wenn Agricola nicht bei der ſterbenden Cephiſe aufgehalten worden wäre, noch einige Zeit gewartet haben würde mit der Auf⸗ forderung aufzuſtehen und mit ihr zu gehen. Adriana hatte Geiſtesgegenwart genug, die Unglückliche mit der täuſchenden Verſicherung zu tröſten, ihre Schweſter ſei in ein nahes Spital gebracht, wo für ihr Aufkommen geſorgt werde. Die Mayeur, nur langſam aus ihrer Betäubung erwachend, ſetzte keinen Zweifel in dieſe Angabe und ſagte gerührt: „Alſo Ihnen, Fräulein, verdanken Cephiſe und ich das Leben? Und Sie knien in dieſer Dachkammer, neben dieſem Jammer⸗ lager, wo ich und meine Schweſter ſterben wollten! Alſo Cephiſe hat, wie ich, noch zeitig Hülfe gefunden?“

„Ja,“ antwortete Adriana. „Eben iſt mir gemeldet worden, ſie ſei wieder zur Beſinnung gekommen.“

„Man hat ihr doch geſagt, daſi ich lebe? Nicht wahr, Fräulein? Denn ſonſt würde ſie vielleicht bedauern, daß ſie mich überlebt hätte.“

„Sein Sie ruhig, liebes Kind,“ ſagte Adriana, die Hände der Mayeur drückend und ihre thränenfeuchten Augen auf ſie heftend. „Man hat ihr Alles geſagt, was zu ſagen war. Beunruhigen Sie ſich nicht. Denken Sie nur daran, wieder völlig lebendig zu werden — und glücklich, was Sie bisher ſo wenig geweſen ſind.“

„Welche Güte, Fräulein, nach meiner Flucht aus Ihrem Haus, in Folge deren Sie mich für ſo undankbar halten müſſen!“

„Sobald Sie etwas mehr zu Kräften gekommen ſind, werde ich Ihnen eine Menge Dinge ſagen, welche Sie jetzt vielleicht zu ſehr ermüden würden. — Wie fühlen Sie ſich?“

„Beſſer, Fräulein. Die Luft — und der Gedanke, daß Sie hier ſind, daß alſo meine arme Schweſter nicht mehr zu verzweifeln braucht — — Auch ich will Ihnen Alles ſagen, und ich bin gewiß, Sie werden Mitleid mit Cephiſen haben; nicht wahr, Fräulein?“ ſn

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