Königsſohn eine tiefe Liebe einflößen. Trotz dem ſchlimmſten Schein nahm Adriana oft Anſtand, in Roſe Pompon ein verworfenes Geſchöpf zu erblicken, weil ſie ſich deſſen erin⸗ nerte, was ſo viele Reiſende von der Seelengröße Dſchalma's
berichteten, und beſonders weil ſie das von ihr behorchte Ge⸗
ſpräch zwiſchen ihm und Rovdin nicht vergeſſen hatte. Sie wollte nicht glauben, daß ein junger Mann von ſo ausge⸗ zeichnetem Verſtand, ſo gefühlvollem Herzen und ſo ſchwär⸗ meriſcher Seele fähig wäre, ein verworfenes Geſchöpf zu lieben und ſich kecklich mit ihr an einem öffentlichen Ort ſehen zu laſſen. Aber das wahre Verhältniß? Das war ein Ge⸗ heimniß, welches Adriana vergebens zu ergründen ſuchte. Dieſe quälenden Zweifel, dieſe peinliche Neugier gaben der unglücklichen Liebe des Fräuleins neue Nahrung. Man wird ihre Verzweiflung begreifen, wenn man bedenkt, daß die ſcheinbare Gleichgültigkeit, ja Verachtung Dſchalma's ihre Liebe nicht verlöſchen konnte, welche vielmehr gkühender und leidenſchaftlicher wurde. Bald träumte ſie von einem Zug des Herzens, der des Schickſals Stimme ſei, und ſagte ſich, ſie müſſe dieſe Liebe empfinden, Dſchalma verdiene ſie, und eines Tags werde ſich das Unbegreifliche in ſeinem Benehmen zu ſeinem Vortheil aufklären. Bald ſchämte ſie ſich wieder, daß ſie ihn entſchuldigte, und quälte ſich mit dem Vorwurf,
daß ſie ſich einer verächtlichen Schwäche ſchuldig machte. So
zwiſchen Hoffnung, Furcht und Scham lebend, lebte ſie in tiefer Einſamkeit.
Da brach die Cholera aus. Zu unglücklich, um die Seuche zu fürchten, ward Adriana nur durch das Unglück der Andern ergriffen. Sie war eine der Erſten, welche reichlich zur Linderung der Noth beiſteuerten. Florine ward von der
Krankheit ergriffen. Der Gefahr trotzend ging Adriana zu
ihr, um ihren Muth aufzurichten. Ueberwältigt durch dieſen neuen Beweis von Güte, konnte Florine nicht länger ihre bisherige Verrätherei verheimlichen, zumal da ſie ſah, der Tod würde ſie von dem verhaßten Joch der Menſchen, in deren Hand ſie war, befreien. So erfuhr Adriana, wie ſie ſtets von Florinen ausgekundſchaftet worden, und warum die Mayeur ſo plötzlich von ihr weggegangen war. Dieſe Offen⸗ barungen ſteigerten die Zuneigung und das Mitleid des Fräu⸗


