Teil eines Werkes 
8. Band (1844)
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Seit dem ſonderbaren Abenteuer im Theater an der Mar⸗ tinspforte, wo Dſchalma ſich vor den Augen Adriana's auf den ſchwarzen Panther geſtürzt hatte, war das Mädchen von verſchiedenen Gefühlen tief bewegt. Einen Augenblick hatte

ſie, von der ritterlichen Heldenthat des Jünglings geblendet,

ihre Eiferſucht vergeſſen und die Demüthigung, welche darin

lag, daß er ſich vor aller Welt an der Seite eines Geſchöpfs zeigte, welches ſeiner unwürdig ſchien. Sie hatte ſich geſagt: „Ungeachtet des ſchlimmſten Anſcheins liebt mich Dſchalma

doch ſo ſehr, daß er dem Tod getrotzt hat, um meinen Strauß aufzuheben.“ Aber dieſer Troſt erſchien bald wieder ihrer zarten edlen Seele und ihrem geſunden Verſtand als nichtig und unpepmögend, die ſchmerzliche Verletzung ihrer Liebe und Rhres Selbſtgefühls zu heilen. „Wie oft,“ dachte ſie, „hat „ et auf der Jagd aus bloßer Laune und ohne Grund ſich einer — benſplhen Gefahr ausgeſetzt, wie er ſie beſtanden hat, um neinen Strauß aufzuheben! Und wer ſagt mir, ob er es nicht Bhthan hat, um ihn dem Weib, welches ihn begleitete, varzubrihgen?“ Ihr Begriff von Liebe — vielleicht wunder⸗ lich in den Augen der Welt, aber richtig in den Augen Gottes — verbunden mit ihrem gerechten Stolz machten ihr 3 ſchlechterdings den Gedanken unmöglich, die Nachfolgerin des Weibes zu werden, mit welcher der Prinz öffentlich als ſeiner Buhlerin erſchienen war. Und doch wagte ſie kaum, ſich dieſe Unmöglichkeit zu geſtehen. Sie empfand eine um ſo peinlichere, demüthigendere Eiferſucht gegen ihre Neben⸗ buhlerin, je weniger dieſe würdig ſchien, mit ihr verglichen zu werden. Zuweilen jedoch hinderte ihr Selbſtbewußtſein ſte nicht, bei der Erinnerung an die hübſchen Züge Roſe Pompon's ſich die Frage zu ſtellen, ob die Geſchmackloſigkeit 5 und die frechen Manieren dieſes niedlichen Geſchöpfs Folge

einer frühzeitigen Entäußerung aller Scham, oder ob ſie Folge völliger Unbekanntſchaft mit der hergebrachten Sitte ſeien. War das Letztere der Fall, war dieſe Unbekanntſchaft mit einem naturkindlichen argloſen Weſen verbunden, ſo konnte ſie einen großen Reiz haben. Und verband ſich mit dieſem Reiz und einer unbeſtreitbaren Schönheit eine auf⸗ richtige Liebe und eine reine Seele, ſo konnte ſie trotz ihrer niedrigen Geburt und ihrer ſchlechten Erziehung dem jungen