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der Traurigkeit und Gutmüthigkeit auf ihren blauen Lippen. Dann ward ihr Mund unbeweglich. Auf ihrem Geſicht lag heitere Ruhe.
„Du ſollt aber nicht vor mir ſterben!“ rief Cephiſe, indem ſie ſich neben den Strohſack kniete und die Wangen ihrer Schweſter küßte, welche unter ihren Lippen kalt wurden. „Magdalena! Warte! wart' auf mich!“
Die Mayeux antwortete nicht. Ihr Kopf, den Cephiſe einen Augenblick losließ, fiel auf den Strohſack. „Gott!“ rief Cephiſe. „Meine Schuld iſt es nicht, wenn wir nicht
zuſammen ſterben. — Todt! Sie iſt todt! — — vor mir. Vielleicht weil ich ſtärker bin. — — Doch — — jetzt fang' ich an — — wie vorhin ſie — — Alles dunkelblau zu ſehen — welcher Schmerz! — — welches Glück! — — Der Athem geht mir aus. — — Magdalena! Ich komme!“
Sie ſchlang die Arme um den Hals der Mayeur und ſank auf ſie nieder. Obwohl halb bewußtlos, war ſie doch noch
ſo weit bei Sinnen, daß ſie Tritte und Stimmen vernahm,
welche ſich plötzlich auf der Treppe hören ließen. Sie richtete den Kopf empor. Die Tritte kamen näher, und eine Stimme rief: „Gott! welch ein Kohlengeruch!“ Eine kräftige Hand rüttelte an der Thür und eine zweite Stimme rief: „Macht auf!“
Cephiſe dachte: „Da kommen Leute mich zu retten; und meine Schweſter iſt todt. Nein, ich will ſie nicht überleben.“ Und alle ihre Kraft zuſammennehmend lief ſie ans Fenſter, riß es auf und ſtürzte ſich drei Stockwerk hinab in den Hof.
In demſelben Augenblick fuhr die erbrochene Thür auf, und Adriana und Agricola erſchienen auf der Schwelle. Trotz dem erſtickenden Kohlendampf ſtürzte Adriana in die Kammer. Sie erblickte die Kohlenpfanne und rief: „Die Unglückliche hat ſich erſtickt!“
„Nein!“ rief Agricola, „ſie iſt zum Fenſter hinaus ge⸗ ſprungen; ich hab' es geſehen.“ Und er lief ans Fenſter, ſah hinaus und ſchrie: „Hu! Entſetzlich!“ und hielt, den Kopf zurückwendend, die Hände vor die Augen. 6
Adriana hielt das Entſetzen Agricvla's für Folge eines Irrthums. Sie hatte im Dunkeln die Mayeur bemerkt und


