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Spaziergängen zu einem armen Mädchen, in welchem alle Faſern von jugendlicher Lebenskraft zucken, und welches acht⸗ zehn Stunden täglich auf ſeinen Stuhl gefeſſelt iſt in einem düſteren, verpeſteten Loch. Der Verführer ſpricht von Putz, während das Kleid, welches ſie am Leibe hat, ſie nicht ein⸗ mal vor der Kälte ſchüzt. Der Verführer ſpricht von Lek⸗ kereien, während das Brod, welches ſie verſchlingt, nicht ein⸗ mal den Hunger der Siebenzehnjährigen ſtillt. Da folgt ſie den für ſie unwiderſtehlichen Lockungen. Bald aber wird der Liebhaber ihrer müde und läßt ſie ſitzen. Nun hat ſie ſich an Müßiggang gewöhnt, und die Furcht vor dem Elend iſt gewachſen, ſeitdem das Leben etwas weniger ärmlich ge⸗ weſen iſt. Zur Beſtreitung der jetzt zur Gewohnheit gewor⸗ denen Ausgaben würde ſelbſt eine unabläſſige Arbeit nicht hinreichen. Schwäche, Furcht, Leichtſinn läßt ſie eine Stufe tiefer ſinken, bis ſie in den Abgrund der Schande fallen, wo, wie Cephiſe ſagte, die Einen von der Schande leben, die An⸗ dern an ihr ſterben. Sterben ſie, wie Cephiſe, ſo muß man ſte mehr beklagen, als tadeln. Verliert nicht die Geſellſchaft das Recht des Tadels, inſolange als ein urſprünglich fleißiges und ehrenhaftes Geſchöpf zum Lohn für ſeine ſtete Arbeit nicht eine geſunde Wohnung, warme Kleidung, einige Ruhetage und die Möglichkeit, ſich zu unterrichten gefunden hat — letztere, inſofern geiſtige Nahrung dem ehrlichen Arbeiter eben ſo wohl gebührt, wie leibliche? Eine ſelbſüchtige ſtiefmütterliche Geſellſchaft iſt verantwortlich für ſo viele Laſter und Uebel⸗ thaten, deren erſte Urſache nichts anders iſt, als die Unmög⸗ lichkeit zu leben, ohne Unrecht zu thun. Denn wir wieder⸗ holen: eine erſchrecklich große Zahl von Weibern hat nur die Wahl zwiſchen mörderiſchem Elend, Proſtitution und Selbſtmord, weil (wir ſagen es nochmals, und man wird uns vielleicht hören) ihr Lohn unzureichend und ein Spott iſt. Nicht als ob ihre Arbeitgeber im Allgemeinen hart oder ungerecht wären. Dieſe ſelber leiden unter den Wirkungen einer anarchiſchen Coneurrenz, und erdrückt durch das Ge⸗ wicht der induſtriellen Feudalität (eines von der Trägheit,
dem Eigennutz oder böſen Willen der Regirenden gehegten Unweſens) ſind ſie genöthigt, den Lohn immer mehr herab⸗ zuſetzen, um dem völligen Untergang zu entgehen.


