Nachdem ſie lange gegen den Entſchluß ihrer Schweſter an⸗ gekämpft, kam ſie endlich ſelber zu dem gleichen Entſchluß, den Tod als das Ende ſo vieler Uebel betrachtend.
„Woran denkſt Du?“ fragte Cephiſe, verwundert über das lange Schweigen ihrer Schweſter. Die Mayeux fuhr zuſam⸗ men und antwortete: „Ich denke an die Urſache meines plötz⸗ lichen Abganges aus dem Hauſe des Fräuleins von Cardo⸗ ville, in Folge deſſen ich in ihren Augen als undankbar er⸗ ſcheine. Möchte nur die unglückliche Fügung, welche mich von ihr vertrieben hat, nicht auch noch Andere, außer uns, Verderben gebracht haben! Möchte die unſcheinbare geringe Hingebung, welche ich ihr geweiht habe, nie derjenigen feh⸗ len, welche ihre edle Hand der armen Arbeiterin gereicht und ſie Schweſter genannt hat! Möchte ſie glücklich ſein — für immer glücklich!“
„Ein ſolcher Wunſch iſt ſchön in einem ſolchen Augenblick,“
ſagte Cephiſe. „O, Schweſter,“ fuhr die Maheur fort, „wie ehrfurchtsvoll habe ich dies Wunder von Geiſt und Herz und Schönheit geliebt und angeſtaunt! Nie hat ſich Gottes Macht in einem herrlicheren, reineren Werk offenbaret. Wenigſtens ſoll einer meiner letzten Gedanken für ſie geweſen ſein.“
„Ja, bis zum letzten Augenblick liebſt und achteſt Du Deine Wohlthäterin.“
„Du haſt Recht,“ ſagte die Mayeur nach kurzem Schwei⸗ gen, „bis zum letzten Augenblick. In einem Augenblick wird alles vorüber ſein. Sieh einmal, mit welcher Ruhe wir von dem ſprechen, was Andere ſo ſehr erſchreckt.“
„Wir ſind ruhig, weil wir entſchloſſen ſind.“
„Feſt entſchloſſen?“ fragte die Mayeur mit einem durch⸗ dringenden Blick.
„Ja wohl. Möchteſt Du es nur eben ſo ſein, wie ich!“
„Sei unbeſorgt. Wenn ich von Tag zu Tag den Augen⸗ blick des Endes hinausgeſchoben habe, ſo geſchah es, weil ich dir Zeit zum Ueberlegen laſſen wollte, denn ich meiner⸗ ſeits — —“ Die Mayeur ergänzte ihre Worte durch eine
Gebärde hoffnungsloſer Traurigkeit.
„Wohlan denn! Einen Kuß zum Abſchied und Muth!“ Die Mayeur ſtand auf und fiel ihrer Schweſter um den


