Teil eines Werkes 
8. Band (1844)
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Seite zuſchreiben mußte. Tief mußte ſie verletzt ſein, daß ſie mich keiner Antwort gewürdigt hat. Darum habe ich auch nicht das Herz gehabt, ihr nochmals zu ſchreiben, was gewiß nutzlos geweſen wäre. So gütig und billig ſie iſt, ſo uner⸗ bittlich iſt ſie in ihrer Weigerung, wenn ſie dieſelbe für ver⸗ dient hält. Nutzlos wäre es auch geweſen, weil zu ſpät, weil du entſchloſſen warſt, zu enden.“

„Feſt entſchloſſen! Meine Schande nagte an meinem Her⸗ zen, und Jakob war in meinen Armen geſtorben, indem er mich verachtete. Und ich habe ihn geliebt — wie man nur ein Mal im Leben liebt!“

„Möge denn unſer Schickſal in Erfüllung gehen,“ ſagte die Mayeur nachdenkend.

„Was war denn die Urſache deines Weggehens aus dem Hauſe des Fräuleins?“ fragte Cephiſe. „Du haſt mir ſie noch nicht geſagt.“

„Dies Geheimniß werd' ich mit mir ins Grab nehmen,“ antwortete die Buckelige, die Angen niederſchlagend. Und mit bitterer Freude dachte ſie, daß ſie nun bald von dieſer Angſt erlöſt ſein würde, welche die letzten Tage ihres trauri⸗ gen Daſeins vergiftet hatte — von der Angſt, je wieder ihrem Jugendgeſpielen Agricola vor die Augen zu kommen, nachdem derſelbe ihre unſelige lächerliche Liebe zu ihm er⸗ fahren hätte. Dieſe hoffnungsloſe Liebe, war einer der Gründe, welche ſie zum Selbſtmord beſtimmten. Seit dem Ver⸗ ſchwinden ihres Tagbuchs glaubte ſie, Agricola wiſſe das Geheimniß jener Blätter, und obwohl ſie nicht an ſeiner Herzensgüte zweifelte, ſo ſchämte ſie ſich doch ſo ſehr dieſer, obwohl reinen und edlen Leidenſchaft, daß ſie ſelbſt in der äußerſten Noth, worin ſie ſich mit ihrer Schweſter befand, durch nichts in der Welt dazu hätte gebracht werden können, vor Agricola hinzutreten un ihn um Hülfe anzuſprechen.

Gewiß würde ſie die Sache anders angeſehen haben, wäre ſie nicht von dem Schwindel ergriffen geweſen, der oft die größte Seelenſtärke überwältigt, wenn das Unglück alle Grän⸗ zen überſchreitet. Hunger, Elend, der gewiſſermaßen anſtek⸗ kende Einfluß der Selbſtmordgedanken Cephiſens und der Ueberdruß an einem Leben voll Schmerz und Demü⸗ thigung gaben dem Verſtand der Armen den t Stoß.

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