Teil eines Werkes 
8. Band (1844)
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Dies jämmerliche Gemach war zehn Fuß lang und breit. Die ſchräge Decke deſſelben hatte an mehren Stellen Löcher, ſo daß der Regen eindringen konnte. Die durch das einzige Fenſter einfallenden Sonnenſtrahlen beleuchteten als einzige Geräthe an einer verfallenen Wand einen alten Strohſack, aus deſſen Riſſen Strohhalme hervorſahen, und daneben eine Kaffeekanne von Fayence mit abgebrochener Mündung, etwas Waſſer enthaltend.

Auf dem Rand des Strohſacks ſaß in Lumpen gehüllt die Mayeur, die Ellenbogen auf den Knien, das Geſicht zwiſchen ihren weißen mageren Händen. Beim Eintritt ihrer Schweſter blickte ſie auf. Ihr ſanftes blaſſes Geſicht ſah in Folge von Kummer und Elend noch hohler und magerer aus als ge⸗ wöhnlich. Ihre rothgeweinten eingeſunkenen Augen hefteten ſich mit einem Ausdruck ſchwermüthiger Zärtlichkeit auf ihre eintretende Schweſter. Dieſe ſagte mit dumpfer Stimme: „Hier hab' ich, was wir brauchen. In dieſem Korb iſt das Ende unſerer Leiden. Zum erſten Mal in meinem Leben hab' ich — — — geſtohlen. Ich fühle Scham und Angſt darüber. Ich bin gewiß nicht dazu geſchaffen, eine Diebin oder etwas ſchlimmeres zu ſein.“ Bei dieſen Worten lächelte ſie mit Bitterkeit.

Nach einem Augenblick des Schweigens erwiderte die Mayeur: „Gute Cephiſe, du willſt alſo durchaus ſterben?“

„Wie kann ich zaudern?“ entgegnete Cephiſe. „Wenn du willſt, gehe ich nochmals die Rechnung meines Lebens durch. Selbſt wenn ich meine Schande und die Verachtung des ſter⸗ benden Jakob vergeſſen könnte, was bliebe mir dann noch? Zwei Auswege. Erſtlich: wieder ordentlich werden und ar⸗ beiten. Aber du weißt, beim beßten Willen wird es mir oft an Arbeit fehlen, wie es uns jetzt ſeit einigen Tagen fehlt. Und wenn es mir nicht daran fehlt, dann muß ich mit vier bis fünf Franken die Woche leben d. h. langſam unter Ent⸗ behrungen ſterben. Ich kenne das und ziehe vor, mit einem Mal zu ſterben. — Der zweite Ausweg wäre: zur Friſtung meines Lebens das ſchndliche Handwerk fortzuſetzen, welches ich ein Mal verſucht habe. Und das will ich nicht; — es iſt mir zu ſtark. Zwiſchen entſetzlichem Elend, Schande und Tod — kann da die Wahl zweifelhaft ſein? Antworte. — —