Teil eines Werkes 
8. Band (1844)
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Steinbrecher, welcher ſeinen Anlauf genommen hatte, fuhr wider die Perſon, welche ſich, ſo zu ſagen, an die Stelle des Schlachtopfers geſtellt hatte. Er blieb ſtehen und wich dann zwei Schritt zurück. Er und ſeine Begleiter waren verblüfft von dieſer plötzlichen Erſcheinung. Ein dunkles Gefühl ehr⸗ furchtsvoller Bewunderung bemächtigte ſich ihrer, als ſie Den⸗ jenigen ſahen, welcher dem Verfolgten ſo wunderbar zu Hülfe gekommen war.

Dieſer Helfer war Gabriel. Er blieb auf der Schwelle des Pförtchens ſtehen. Sein langes ſchwarzes Prieſterkleid trat wie ein Schattenriß aus der halberleuchteten Tiefe des Doms hervor. Sein liebliches Engelsgeſicht von langen, blonden Haaren umgeben, bleich, mit dem Ausdruck des Schmerzes und des Mitleids, war von dem letzten Schimmer der Dämmerung ſanft erhellt. Das in göttlicher Schönheit ſtrahlende Geſicht drückte ein ſo rührendes Mitleid aus, daß die Menge gerührt ward, als Gabriel mit Thränen in ſei⸗ nen großen, blauen Augen, mit gefalteten Händen und heller, zitternder Stimme bat: „Gnade, meine Brüder! Seid menſch⸗ lich! ſeid gerecht!“

Der Steinbrecher erholte ſich indeß bald von ſeiner erſten Ueberraſchung und von der unwillkürlichen Rührung. Er trat einen Schritt vor und rief: „Keine Gnade für den Vergif⸗ ter! Wir müſſen ihn haben. Heraus damit, oder wir holen ihn!“

„Wo denkt ihr hin, liebe Brüder?“ erwiderte Gabriel. „Aus dieſer Kirche? von der geweihten Stätte? aus der Zu⸗ fluchtsſtätte für Alles, was verfolgt iſt?“

„Wir packen unſeren Vergifter, und wäre es auf dem Al⸗ tar!“ erwiderte trotzig der Steinbrecher. „Alſo heraus mit ihm!“ „

„Brüder, hört mich an,“ ſagte Gabriel, die Arme gegen den Schreier erhebend.

„Weg mit dem Pfaffen!“ rief der Steinbrecher. „Der Ver⸗ gifter verſteckt ſich in der Kirche. Vorwärts in die Kirche!“

„Ja, ja!“ rief die Menge, fortgeriſſen von der Wuth ihres Anführers. „Weg mit dem Pfaffen!“

„Sie verſtehen ſich unter einander!“ „Weg mit den Pfaffen!“