ſchweifung in die andere gerathen und faſt zum Thier her⸗ abgeſunken war, er fühlte es, wie einen Stich im Herzen, als das ſtumme Bekenntniß Cephiſens ihm die Untreue die⸗ ſes Geſchöpfes verrieth, welches ihm nie ſeine Entehrung verhehlt hatte. Dieſer Widerſpruch iſt ſonderbar genug, kommt aber häufiger vor, als man glaubt. Trotz ſeiner Schwäche richtete er ſich empor mit Wuth und Verzweiflung im Geſicht, ergriff ein Meſſer und zückte es gegen Cephiſen. Aber in dem Augenblick, wo er zuſtoßen wollte, bebte er vor dem Gedanken eines Mordes zurück, warf das Meſſer weg und ſank, ſein Geſicht in beiden Händen verbergend, auf den Stuhl nieder.
Nini Muulin ſtieß einen Schrei des Entſetzens aus und wollte eben dem Raſenden das Meſſer entreißen, als dieſer es wegwarf. Bei jenem Schrei ſah Cephiſe auf. Als ſie die ſchmerzvolle Niedergeſchlagenheit Jakobs bemerkte, ſprang ſie auf, fiel ihm, trotz ſeinem Widerſtreben, um den Hals und rief: „Jakob! wenn Du wüßteſt . . o Gott! — — wenn Du wüßteſt. Höre mich an! Verdamme mich nicht ungehört. Ich will Dir Alles ſagen — ſo wahr Gott lebt, Alles ohne zu lügen. Dieſer Menſch“ (ſie deutete auf Mo⸗ rok) „wird ſich nicht unterſtehen es zu leugnen . er iſt zu mir gekommen und hat geſagt: „Haben Sie das Herz . ..
„Ich mache Dir keine Vorwürfe,“ ſagte Jakob mit ſchwa⸗ cher Stimme, indem er Cephiſen zurückdrängte. „Ich habe nicht das Recht dazu. Laß mich in Ruhe ſterben. Mehr verlang' ich nicht. .. Glücklicher Weiſe hab' ich mein Theil,“ fügte er bitter lächelnd hinzu. „Ich wußte wohl — — was ich that — — als ich den Zweikampf — — auf Cognae — — annahm.“
„Nein! Du ſollſt nicht ſterben, Du ſollſt mich anhören!“ rief Cephiſe mit wehmüthiger Miene. „Und alle Leute hier ſollen mich anhören. Sie ſollen ſehen, ob ich ſchuldig bin. Nicht wahr, meine Herren, wenn ich Mitleid verdiene, dann bitten Sie Jakob, daß er mir verzeiht. Wenn ich keine Arbeit finden konnte und von Elend getrieben, mich
verkauft habe, nicht der Ueppigkeit zu Gefallen — Sie
ſehen meine Lumpen —, ſondern um mir Brod und meiner
todtkranken Schweſter, die noch elender iſt, ein Obdach zu
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