— 33 — glücklich geweſen, — es hat mir wohlgethan, und dafür danke ich Dir, brave, gute Cephiſe: — — Ja, Du biſt gut
und brav geweſen, und Du haſt Recht gehabt. Ich habe nur Dich auf der Welt geliebt. Wenn ich in meiner Erniedri⸗ gung je einen Gedanken gehabt habe, der mich ein wenig aus dem Schlamm zog, der mich bedauern ließ, daß ich nicht beſſer wäre, ſo war es der Gedanke an Dich. Habe alſo Dank arme Freundin. Wenn ich ſterbe, dann ſterbe ich zu⸗ 5 frieden, und bleibe ich am Leben, ſo lebe ich glücklich. Deine Hand, brave Cephiſe. Du haſt als ehrliches Geſchöpf ge⸗ handelt.“
Thränen waren in die glühenden, trockenen Augen Jakobs getreten, als er dem Mädchen ſeine bereits kalte Hand hin⸗ reichte. Anſtatt die dargebotene Hand zu ergreifen, ſenkte die noch immer kniende Cephiſe das Haupt und wagte nicht aufzuſehen. 5
„Du antworteſt mir nicht?“ ſagte Jakob. „Du nimmſt meine Hand nicht? Warum das?“ *
Das unglückliche Geſchöpf antwortete nur durch unterdrück⸗ tes Schluchzen. Von Scham niedergedrückt, berührte ſie mit ihrer Stirn die Füße ihres Geliebten. Jakob, betroffen über das Schweigen und die Haltung der Königin Bacchanal, be⸗ trachtete ſie mit wachſendem Erſtaunen. Plötzlich begann er mit verzerrtem Geſicht und zitternden Lippen zu ſtammeln: „Cephiſe, — — ich kenne Dich — — Wenn Du nicht meine Hand nimmſt — — ſo iſt's — — weil — —.“
Die Stimme verſagte ihm. Nach einem Augenblick des Schweigens fuhr er fort: „Als ich vor ſechs Wochen ins Gefängniß geführt wurde, haſt Du mir geſagt: Jakob ich, ſchwöre Dir bei meinem Leben, ich will arbeiten. Ich will im Nothfall im äußerſten Elend leben — aber ehrlich.— — Das haſt Du mir verſprochen. Jetzt — ich weiß, Du haſt nie gelogen — jetzt ſage mir, ob Du Wort gehalten haſt, und ich will es glauben.“
Cephiſe antwortete nur mit einem herzzerreißenden Schluch⸗ zen, indem ſie die Knie Jakobs an ihre keuchende Bruſt drückte. Dieſer Menſch, welcher ſeit ſeinem Austritt aus dem Gefängniß, allen mörderiſchen Lockungen Moroks nach⸗ gebend, aus einem Rauſch in den andern, aus einer Aus⸗ Viu. 8 32


