Viertes Kapitel. Cognac um die Wette.
Nach einigen Augenblicken ließ das Klopfen, welches die Gäſte ſo ſehr überraſcht hatte, ſich von neuem und zwar ſtärker und anhaltender vernehmen. „Kellner!“ rief einer der Gäſte, „was zum Teufel iſt das für ein Lärm?“
Der Kellner wechſelte mit ſeinen Kameraden unruhige und
ängſtliche Blicke und ſtammelte: „Liebſter Herr — — das iſt — — das iſt — —“
„He!“ rief Nini Moulin, „das iſt ein ſauertöpfiſcher Miethsmann, ein freudenhaſſendes Thier, welches auf ſeinen Fußboden ſtampft, um uns zu ſagen, wir ſollten weniger laut ſingen.“
„Alsdann,“ ſprach belehrend der Schüler des großen Malers,
„alsdann iſt die Generalregel: Verlangt ein Hauseigenthümer:
oder Miethsmann Stille, ſo gebietet die Tradition, ihm augen⸗ blicklich mit einem hölliſchen Charivari zu antworten, beſtimmt, den Beſchwerdeführer wo möglich auf der Stelle taub zu machen. Wenigſtens,“ fügte der Junker Reibſtein beſcheiden hinzu, „wenigſtens ſind das diejenigen auswärtigen Beziehun⸗ gen, welche ich ſtets in Uebung geſehen habe zwiſchen deck⸗ nachbarlichen Mächten.“
Dieſe etwas gewagte Sprachneuerung ward mit allgemeinem Lachen und Bravo aufgenommen.
Während dieſes Lärms befragte Morok einen der Kellner
und nachdem er ſeine Antwort empfangen, rief er mit durch⸗ dringender Stimme, welche den Lärm übertönte: „Ich bitte ums Wort.“
„Bewilligt!“ rief die luſtige Geſellſchaft.
Während des Schweigens, welches der Anrede Morok's folgte, ließ das Klopfen ſich von neuem und ſchneller hören. Morok lächelte unheimlich und ſagte: „Der Miethsmann iſt unſchuldig. Er iſt unfähig, ſich im Geringſten den Ausbrüchen unſerer Freude zu widerſetzen.“


